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„Wir werden hoffentlich nie erwachsen“

Silbermond kommen am 28. November mit ihrer neuen „Himmel Auf“-Tour nach Braunschweig in die Volkswagenhalle.

Von Sebastian Walther, 11.11.2012.

Silbermond gelten mit ihren Songs auch immer als Sprachrohr einer ganzen Generation. Vielleicht ist auch deshalb das aktuelle Album „Himmel auf“ ernsthafter geworden, und befasst sich mit unbequemen Themen. Wir sprachen mit Sängerin Stephanie und Schlagzeuger Andreas. Die „Himmel Auf“-Tour startet am 24. November in der Arena Leipzig, bevor es im Anschluss durch 18 der größten Arenen quer durch Deutschland, Luxemburg und die Schweiz geht. Am 28. November macht sie in der VW-Halle Station.

?Die anstehende Tour ist bereits Eure Vierte. Mit wie viel Routine geht Ihr mittlerweile daran?

!Stephanie: Wir waren jetzt ungefähr anderthalb Jahre im Proberaum, haben Songs geschrieben und Texte, die letzte Tour ist also schon etwas her. Routine gibt es da kaum, vielmehr fühlt es sich immer wieder neu an. Dazu kommt, dass wir jetzt erstmals Hallen in dieser Größenordnung spielen, in Hamburg, Köln oder Berlin, das hatten wir so auch noch nicht, davor haben wir schon Respekt.

?Was ist denn Eure ganz persönliche Strategie für den Tour-Alltag?

!Andreas: Dadurch, dass wir jetzt bereits 14 Jahre zusammen Musik machen, wissen wir, wie es ist, auf der Bühne zu stehen oder unterwegs zu sein. Und wir lieben es, ein Leben ohne das könnten wir uns gar nicht mehr vorstellen. Man lernt aber schnell, seine Kräfte einzuteilen. So ein Konzert ist schon eine Art Leistungssport.

!Stephanie: Ich versuche dann zum Beispiel zu organisieren, dass ich zwischendurch meine Freunde treffen kann oder das meine Eltern mal vorbei schauen, um nicht völlig den Kontakt zu verlieren. Und wenn man so lange aufeinander hockt, dann ist es wichtig, darauf zu achten, mit coolen Leuten unterwegs zu sein, aber da haben wir unsere Stamm-Crew, mit der wir schon seit Jahren touren. Das ist dann, als wäre man mit einer kleinen Familie unterwegs.

?Wie schwierig ist die Songauswahl nach vier Alben und vielen bekannten Singles?

!Andreas: Das ist in der Tat schwierig, man hat zum einen die alten Songs und Klassiker, die man gerne spielen möchte und dann die neuen Titel. Zum Glück konnten wir im Sommer viel spielen und austesten, so dass wir jetzt wissen, welche Titel wann, an welcher Stelle gut funktionieren. Und das gibt uns dann natürlich die Möglichkeit, eine dramaturgisch gute Set-List zu erstellen mit Höhepunkten, ruhigen Nummern und so.

!Stephanie: Man hört nicht auf, die alten Songs zu mögen. „Krieger des Lichts“ spiele ich immer noch unheimlich gerne, aber natürlich will man mit einer neuen Platte auch die frischen Titel vorstellen. Also braucht es eine Abfolge mit Dynamik, mit lauten Momenten und Momenten zum Luftholen.

?Die Musik auf dem aktuellen Album ist stellenweise elektronischer geworden und hat sich auch mit den Jahren verändert. Was ist dann das Charakteristische, der rote Faden der Band?

!Stephanie: Der rote Faden sind wir, egal, was man soundmäßig so ausprobiert. Diesmal waren wir etwas mutiger, den Songs, wenn sie Tiefe brauchen, die ihnen mit Streichern oder einem Synthesizer auch zu geben. Aber die Grundessenz sind immer noch die vier Leute an ihren Instrumenten.

?Apropos neuer Sound: Das Schlagzeug habt Ihr auf der Damentoilette eingefangen?

!Andreas: Das war eine Idee von unserem Gitarristen Thomas und mir am Schlagzeug. Wir haben ja unseren eigenen Proberaum und dort schnell gemerkt, dass künstliche Hallräume nicht das gewünschte Ergebnis liefern können. Aber in dieser ganz wunderschönen Damentoilette mit den weißen Fliesen an der Wand, da war der Klang schon ein ganz anderer. Gut zu hören ist er in den letzten 20 Sekunden bei „Es geht weiter“.

?In einem Song fragt Ihr, „wie weit gehst Du für das größte Glück?“ Wieweit würdet Ihr für etwas gehen, das Euch wichtig ist?

!Stephanie: Jeder fragt sich das wahrscheinlich mal im Leben. Für uns ist wichtig, zu 100 Prozent mit dem was wir machen zufrieden zu sein, komplett hinter dem zu stehen, was wir tun. Die Band ist unser Herzstück, wir kennen uns seit 14 Jahren, das ist unser halbes Leben, dafür würden wir weit gehen, keine Frage.

?„Gesellschaftsrelevante Themen liegen Sängerin Stefanie Kloß diesmal besonders am Herzen“, steht im Pressetext zum Album. Ist das so?

!Stephanie: Ich würde sagen, dass es uns Vieren besonders am Herzen liegt, ich schreibe die Texte nicht alleine, jeder von uns bringt sich ein, gibt Input, Ideen dazu. Wir sind auf jeden Fall Leute, die mitten im Leben stehen und die Augen offen halten. Diesmal haben wir das vielleicht mehr als üblich getan, wie beispielsweise mit dem Song „Weiße Fahnen“, in dem es um Kindersoldaten geht. Das sind Themen, die trägt man mit sich herum, und wenn dann der passende Augenblick ist, dann kann man sie auch in einem Song verarbeiten.

?Ihr seid mit Ende 20 jetzt in einem Alter, in dem die meisten Freunde fertig studiert haben und vielleicht bereits Familie gegründet haben, sich ein Haus kaufen und einen Hund zulegen, und Ihr geht vier Wochen auf Tour.

!Andreas: Das ist ja eine ganz normale Entwicklung, wir gehen ja schließlich alle auf die 30 zu. Man wird hoffentlich nie erwachsen, gerade als Musiker finde ich es wichtig, Neugierde und Naivität zu besitzen, um neue Themen besser aufnehmen zu können.
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