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„Wir müssen uns für junge Leute weiter öffnen“

Dr. Gisela Parak ist die neue Leiterin des Museums für Photographie – Erste Gespräche mit dem Kooperationspartner HBK über Graduiertenkolleg.

Braunschweig, 20.02.2013.

Das Museum für Photographie hat eine neue Leiterin. Seit Anfang Februar lenkt Dr. Gisela Parak als Nachfolgerin des nach Essen gegangenen Florian Ebner die Geschicke des Hauses. nB-Mitarbeiter André Pause hat sich mit der 36-Jährigen unterhalten.

?Frau Parak, Sie sind erst eine kurze Zeit in der Stadt. Wie ist Ihr erster Eindruck?

!Die Stadt gefällt mir sehr gut, wobei ich bislang noch keine Zeit hatte, die Kulturinstitute, die Partner- und Kooperationsinstitute so richtig kennenzulernen, aber Braunschweig hat eine sehr interessante Mischung aus alter Substanz, Industrie, und man spürt ein gewisses Flair. Es ist eine mittelgroße Stadt, die viel vorhat. Ich sehe, dass es Ambitionen gibt, die Stadt voranzutreiben und etwas zu bewegen.

?Welchen beruflichen Background haben Sie, und was hat Sie daran gereizt, hier im Photomuseum anzufangen?

!Ich komme aus dem Bereich der Bildenden Kunst und habe dann eine Promotion im Fach Kunstgeschichte geschrieben. An der Stelle hier war das Reizvolle, die Produktion von zeitgenössischer Kunst von der theoretischen und von der praktischen Seite her zusammenzudenken. Durch die Partnerprojekte mit der HBK und die Künstler vor Ort habe ich das Gefühl, dass sich viel zusammenfügen kann, die aktuelle Kunstproduktion, das Museum und die theoretische Beschäftigung mit Fotografie.

?Welche Erfahrungen bringen Sie mit?

!Nach der Promotion war ich als Assistenzkuratorin in zwei Häusern tätig, dem badischen Kunstverein in Karlsruhe und im Zephyr – Raum für Fotografie an den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim. Die vergangenen zwei Jahre habe ich im Bereich der Wissenschaft gearbeitet, war in den USA und habe geforscht. Jetzt komme ich wieder auf die kuratorische Ebene zurück.

?Was wussten Sie im Vorfeld vom Photomuseum?

!Ich muss gestehen, dass ich vor dem Bewerbungsgespräch noch nicht wirklich vor Ort war, habe das Programm des Museums für Photographie aber seit fünf Jahren wahrgenommen und fand es immer sehr interessant. Es wurde sehr gut und passend ausgewählt in Braunschweig. Es gab auch kleine Überlagerungen: Sascha Weidner beispielsweise haben wir bei Zephyr auch gezeigt. Somit gab es zumindest eine indirekte Verbindung. Von den Torhäusern bin ich sehr angetan. Sie bieten sich für raumspezifische Ausstellungen an und schaffen eine wunderbare Atmosphäre für intensive, experimentelle und frische Arbeiten.

?Wie schätzen Sie die allgemeinen Rahmenbedingungen des Museums ein?

!Über die angestrebte Erweiterung des Museums für Photographie mit den „267 Quartieren“, freue ich mich sehr. Hier haben mein Vorgänger, der Vorstand sowie der sehr aktive Freundeskreis des Museums sehr viel Vorarbeit geleistet, und wir hoffen, dass diese Vorschläge nun durch den Stadtrat genehmigt und offiziell verabschiedet werden. Die Räumlichkeiten der Hamburger Straße bieten hervorragende Möglichkeiten, andererseits wird es aber auch nicht ganz leicht, die große Fläche zu bespielen. Wir sind nach wie vor ein kleines Haus mit einer kleinen Mannschaft. Aber gerade mit Blick auf die Kooperation mit der HBK, die das Programm der „267 Quartiere“ zur Hälfte bespielen wird, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir die begonnene Arbeit gut weiterführen können, und an die erfolgreichen Ausstellungen der Vergangenheit, wie „Shoot“, „Kairo“ oder an die momentan laufende von Bogomir Ecker anknüpfen können.

?Werden Sie Sachen grundsätzlich anders machen?

!Mir hat das Programm von Florian Ebner sehr gut gefallen. Und natürlich existiert ein kuratorisches Setting, das an vielen Häusern ähnlich ist. Ich möchte aber auch individuelle Akzente setzen. Aufgrund meiner Biografie als ehemalige Kunststudentin liegt mir die Arbeit mit jungen Künstlern am Herzen. Das ist etwas, das ich systematisch weiter ausbauen möchte. Und dafür finde ich hier auch die geeigneten Bedingungen vor.
?Vor allem mit den neuen Räumen an der Hamburger Straße ...

!Die Hamburger Straße muss sich in der Zukunft bewähren, so viele Referenzprojekte hatten wir ja einfach noch nicht. Aber die angestrebte Mischung aus junger, zeitgenössischer Fotografie, großen Einzelausstellungen und Internationalem ist gut, um beide Orte – Torhäuser und die „267 Quartiere“ – lebendig und vielfältig zu gestalten.

?Welche Arbeiten kommen jetzt auf Sie zu?

!Gerade laufen die ersten Gespräche mit der HBK bezüglich der Ausstellungsorganisation. Es geht um das Programm der Hamburger Straße generell und das Zusammenspiel der beiden Institutionen. Eine andere Überlegung ist, wie die Zusammenarbeit mit Blick auf das Graduiertenkolleg „Dispositive der Fotografie“ aussehen wird, das von der HBK eingeworben wurde, und das im Oktober seine Arbeit aufnehmen wird. Es ist auch angedacht, mit den Teilnehmern und Studierenden des Kollegs Ausstellungsinhalte zu erarbeiten.

?Wären auch andere, vielleicht auch interdisziplinäre Kooperationen denkbar?

!Prinzipiell sind wir da jederzeit offen, es muss natürlich um fotografische Arbeiten gehen oder um Arbeiten, die sich bildkritisch und reflektiert mit Bild beziehungsweise Fotografie auseinandersetzen. Kooperationen mit Partnerinstitutionen innerhalb der Stadt und Region dahingehend, dass Ausstellungen gesplittet werden, an verschiedenen Orten parallel gezeigt werden, mit verschiedenen inhaltlichen Akzentsetzungen, kann ich mir sehr gut vorstellen. Wir stehen in den nächsten Jahren vor großen Aufgaben. Vor allem, um noch mehr junge Leute ins Haus zu ziehen, müssen wir uns weiter öffnen.
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