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„Wir loten täglich Grenzen aus“

Die Gründer des Figurentheaters Fadenschein: Hanne Scharnhorst und Nöck Gebhardt-Seele. Foto: Thomas Ammerpohl

Das Figurentheater Fadenschein feiert 30. Geburtstag – Langer Weg bis zur Akzeptanz.

Von Birgit Leute, 12.01.2014.

Braunschweig. Kunst statt Klamauk: Seit 30 Jahren beweisen Hanne Scharnhorst und Nöck Gebhardt-Seele, dass Puppenspiel weit mehr ist, als das oft belächelte Kasperltheater. Den runden Geburtstag feiert das Figurentheater Fadenschein mit einem eigenen Jubiläumsprogramm. Ein Interview.

?Puppentheater – das ist für Viele Kasperl, Polizist und Räuber. War es damals, 1984, schwierig, sich als „seriöses“ Theater durchzusetzen, Aufmerksamkeit zu bekommen?

!Nöck Gebhard-Seele: Zum Teil ja. Puppenspielern klebt ein bisschen das Image an, „feige“ zu sein, sich hinter einer Kulisse verstecken zu müssen. Und sie gelten selten als ernst zu nehmende Schauspieler. Das wollten wir widerlegen.

?Auf welche Weise?

!Hanne Scharnhorst: Als wir anfingen, also in den 70er Jahren waren unsere Stücke ziemlich politisch angehaucht. Wir kamen aus der Alternativbewegung, wollten die Welt verändern. Auch mit der Gründung von Fadenschein wollten wir beweisen, dass Puppenspiel mehr ist als Kasperltheater. So definierten wir Inhalte und Puppen neu. Zwar greifen wir in unseren Kinderstücken bekannte Themen wie Freundschaft, Mut, das Großwerden auf. Aber die Vogelfigur aus „ZilpZalp in der Zwitscherbude“, dem ersten Stück des Theaters, hat sich weit vom Kasperle entfernt.

?Wie schwierig ist es, sich als Puppentheater gegen die perfekte Illusion etwa eines 3-D-Kinos durchzusetzen? Lassen sich Kinder überhaupt noch von Handpuppen faszinieren?

!Gebhardt-Seele: Ja. Was zählt ist eine Geschichte, die fesselt. Oft wird das Theater auch als entspannender empfunden, als der Rummel und die Bilderflut, die in manchem großen Haus herrscht. Unsere Bühne ist relativ klein, die Figurenzahl überschaubar.

?Sie machen aber nicht nur Theater für Kinder?

!Scharnhorst: Nein. Mit der „Reise durchs Fenster“ wagten wir uns bereits 1982 an ein Stück für Erwachsene. Aber es war ein langer, steiniger Weg, bis wir akzeptiert waren. Puppentheater galt immer noch als Kindertheater. Umso schöner ist es, dass sich die Kunstform inzwischen etabliert hat, und wir es wagen können, Grenzen auszuloten – etwa die Schwelle zur Performance, zum Schauspiel oder zum Tanz zu überschreiten, mal abstrakt oder konkret in der Form zu sein. Das ist das schöne am Freien Theater und am Puppenspiel: Es lässt Raum für ein Cross-over verschiedener Kunstformen.

? Gibt es noch neue Herausforderungen?

!Gebhardt-Seele: Was derzeit gerade erst entdeckt wird, ist das „Theater für die Allerkleinsten“, also für Kinder bis zwei Jahre. Im Vergleich zu Ländern wie Italien, Frankreich oder die Niederlande ist das in Deutschland noch ziemliches Brachland ...
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