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„Wir galten schon als ziemlich verrucht“

Das Kulturzentrum Brunsviga feiert 30. Geburtstag – Geschäftsführer Uwe Flake erinnert sich – Gala am Sonnabend.

Von Birgit Leute, 23.11.11

Braunschweig. Vor 30 Jahren drang aus den Fenstern noch der Geruch von eingeweckten Bohnen oder Karotten, heute geben sich Kabarettisten die Klinke in die Hand. Das Kulturzentrum Brunsviga feiert Jubiläum – eine Institution, die am Anfang mehr als einen schiefen Blick erhielt.

„Parkajacke, Bärte, lange Haare – wir galten als ziemlich verrucht“, erinnert sich Mitbegründer und Geschäftsführer Uwe Flake lachend an den Start im Jahre 1981. Die Stadt hatte das Gebäude der ehemaligen Konservenfabrik Brunsviga zuvor gekauft und wollte es für den Bau eines Kindergartens eigentlich abreißen. „Es gab aber auch andere Ideen“, so Flake.
Ein neugegründeter Verein schlug die Nutzung als Kommunikationszentrum vor. Im ehemaligen Belegschaftshaus der Fabrik an der Karlstraße entstand ein provisorischer Bürgertreff, in dem nicht nur Töpfern, Kerzengießen und ein Kursus zum Reparieren von Haushaltsgeräten angeboten wurde. Es fanden sich auch allerlei „Randgruppen“ ein. „In unser Café kamen Punker genauso wie Rocker und Alternative. Ein paar Stadtstreicher pflegten sich auf der Heizung in den Toilettenräumen ihre Konserven aufzuwärmen“, erzählt Flake. Kein Wunder, dass die Gegend für das gepflegte Bürgertum des östlichen Ringgebiets eine „No-Go-Area“ war.
Dennoch: Die Idee eines alternativen Kulturzentrums kam an. Nach einigen Wochen zählte der ehrenamtliche Verein schon 200 Mitglieder. 1994 war der offizielle Start: Nach sechs Jahren Bauzeit und einem Investitionsvolumen von damals 14 Millionen D-Mark wurde das Kulturzentrum Brunsviga seiner Bestimmung übergeben. „Wir wollten immer einen Gegenentwurf zum Staatstheater-Betrieb sein“, sagt Flake. Anfangs zupften Straßenmusiker auf ihren Gitarren, heute stehen bekannte Kabarettisten auf der Bühne im Erdgeschoss. Volker Pispers ist ein treuer Gast des Satirefestivals, Uwe Steimle trat schon in der Karlstraße auf und auch Mario Barth kam in die Brunsviga bevor er mit seiner Show die VW-Halle füllte.
Zum Jubiläum gibt es am kommenden Sonnabend ab 20 Uhr eine Geburtstagsgala. Zu sehen sind Ausschnitte aus der Brunsviga-Eigenproduktion „Rote Lippen Zuckerpuppen“, eine nicht ganz ernstzunehmende Schlagerrevue, bei der Geschäftsführer Flake selbst auf der Bühne steht.
Der Laden brummt, kann man sich da überhaupt noch etwas wünschen? „Für manche Veranstaltungen bräuchten wir noch einen größeren Saal – und es wäre toll, wenn sich die Musicalschiene noch weiter entwickeln würde – mit tollen Leuten und regionalen Themen“, sagt Flake. Infos über die Brunsviga und die Veranstaltungen: www.brunsviga-kulturzentrum.de.
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