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„Wir danken denen, die wir fördern“

nB-Stiftungsserie: Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz ist einer der größten Landeigentümer und der größte Förderer der Region.

Von Martina Jurk, 22.09.2010.

Braunschweig. Mit einem Kapital von mehr als 275 Millionen Euro ist die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz der größte Förderer der Region. Die Restaurierung des Kaiserdoms in Königslutter sorgte zuletzt für internationale Aufmerksamkeit.

Vor der ehemaligen Gerloffschen Villa am Löwenwall mit dem im Jugendstil angelegten Garten möchte sich der Betrachter ehrfurchtsvoll verneigen. Stiftungsdirektor Tobias Henkel darf jeden Tag hierher kommen. Hier ist sein Arbeitsplatz – im Haus der Braunschweigischen Stiftungen. Von hier aus verwaltet er 9000 Hektar Ackerfläche, 5500 Hektar Wald, 3500 Hektar Erbbaurecht und viele historische Bauten und damit eines der größten Landeigentümer der Region. „Mit dem Eigentum sind wir ganz nah bei den Menschen, weil sie die Ackerflächen und den Wald bewirtschaften, weil sie auf den Erbbaugrundstücken und in den Gebäuden wohnen oder arbeiten“, erklärt Henkel.
Auf dem Sims eines der großen schönen Fenster in seinem Büro stehen aus Ästen gebastelte Tiere. Der „Wald“ im Arbeitszimmer schafft einen symbolischen Bezug zum Stiftungseigentum. „Stiftungsarbeit muss man betreiben und pflegen wie einen Wald – nachhaltig“, betont der Direktor. Man kauft ihm das ab, seine Augen sprühen vor Begeisterung. Für den „Job“ ist der 39-Jährige geradezu prädestiniert. Er war als Justitiar des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen tätig und hat mit der gleichzeitigen Zulassung als Rechtsanwalt Stifter und Stiftungen beraten, vertrat das deutsche Stiftungswesen im Ausland.
Bis zu 450 Anträge werden jährlich an die Stiftung gestellt. Tendenz steigend. Rund 250 Projekte pro Jahr werden gefördert. Eines der größten und aufwändigsten wurde im Mai fertiggestellt: der Kaiserdom in Königslutter. „Wir haben die Menschen von Anfang an mitgenommen. Tausende waren auf der Baustelle. So haben wir erreicht, dass sie sich mit dem Dom identifizieren“, erzählt Henkel.
„Wir möchten, dass die Menschen den Mut haben, sich an unsere Stiftung zu wenden.“ Tobias Henkel will Schwellenängste nehmen. Die Stiftung fördere viele Zwecke, vom Flyer für das Frauenhaus bis zum Kloster. Entscheidend sei die Qualität eines Projektes. Hebt es sich aus dem bisher Dagewesenem heraus? Auch Tradition sei kein Selbstläufer sondern müsse auf den Prüfstand gestellt werden, davon ist Henkel überzeugt. Neben der Qualität seien der regionale Bezug im alten Braunschweiger Land, eine möglichst große Bandbreite und – wie ein roter Faden der Stiftungsarbeit – Nachhaltigkeit die Kriterien für eine Förderung. Allerdings dürfe kein Projekt so aufgestellt sein, dass es nur durch eine dauernde Förderung existieren kann.
Die Besonderheit der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz ist ihr herzoglicher Ursprung. Um zu verstehen, woher Stiftungskapital und Landeigentum in großem Umfang kommen, muss man die 450-jährige Geschichte bemühen. Und so kommt niemand, der zu Tobias Henkel will, an Herzog Julius vorbei. Der Direktor findet es bemerkenswert, dass der Herzog das kirchliche Vermögen dem Allgemeinwohl zur Verfügung stellte – ein guter Samariter also. „In den Klöstern entstanden Waisen- und Krankenhäuser, Armenhilfen, Bibliotheken, auch Musik entwickelte sich hinter diesen Mauern.“ So entstand der Gedanke, Geld zweckgebunden für soziale Zwecke zu verwenden.
Eine gerechte Verteilung, die Förderung vor allem auch ländlicher Regionen, eine faire und ernsthafte Auseinandersetzung mit den Projekten der Antragsteller sind für Direktor und Stiftungsrat die Prämissen. Henkel dreht den Spieß um. „Nicht die Geförderten sollen uns danken. Wir haben den Projekten, die wir fördern, zu danken, durch die wir als Stiftung überhaupt erst in Erscheinung treten.“
Mit der Förderung übernehme die Stiftung Verantwortung für die Zukunft. Beispielsweise in Beregnungsanlagen für Ackerflächen zu investieren, landwirtschaftliche Betriebe zukunftsfähig aufzustellen, seien aktuelle Herausforderungen für die Stiftung. Henkel nennt das „Verantwortung für die nächsten 450 Jahre“. „Sie lässt uns die Förderprojekte nach anderen Gesichtspunkten beurteilen.“ Die Fördersumme der Stiftung beträgt im Jahr sechs bis neun Millionen Euro. Ein gewaltiges Kapital, Millionenbeträge, die es zu verwalten und zu verteilen gilt – Tobias Henkel kann dennoch ruhig schlafen. „Eine Herausforderung, die berechenbar, weil langfristig ist“, sagt er und schaut dabei auf das Bild an der Wand – ein Porträt von Herzog Julius.
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