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Wigwams, Whisky, wilde Pferde

Im Saloon von Dolly Zaster sorgt ein alter Bekannter für Stimmung: Der sächselnde Texas Maik (noch bekannt aus „Ölper Zwölf Pöints“) singt nicht nur gut. Er tanzt mit dem Publikum auch Line-Dance. Fotos: Rüdiger Knuth

Im Lokpark feierte das Musical „Spiel mir das Lied vom Löwen“ Premiere – Materialschlacht.

Von Birgit Leute, 12.08.2016.

„Muss ich das alles verstehen, weißer Bruder?“, fragt Häuptlingssohn Rote Wiese am Ende verwirrt und mancher Zuschauer wird ihm zustimmen. Nein, muss man nicht. Beim „Spiel mir das Lied vom Löwen“, dem neuesten Coup von Peter Schanz und Christian Eitner, gibt‘s eigentlich nur einen Rat: Zurücklehnen und mitmachen.

Für ihr Western-Musical, das noch bis zum 28. August im Lokpark zu sehen ist, haben der Theatermacher und der Chef der Jazzkantine dieses Mal ganz, ganz tief in die Klischeekiste gegriffen. Karl May musste dafür ebenso herhalten, wie Bonanza oder die Italo-Western. Und auch aus früheren erfolgreichen Schanz/Eitner-Produktionen tauchen alte Bekannte auf: So sitzt plötzlich die Harfen-Agnes einträchtig neben Häuptling Schwarzer Berg am Lagerfeuer und Texas Maik tanzt im Saloon von Dolly Zaster.
Um was es eigentlich geht? Auf der Jagd nach dem Goldenen Löwen entführt Ernest A. Rushmeyer die Tochter von Häuptling Schwarzer Berg. Der bunkert den Schatz in einem See und will das Geheimnis partout nicht verraten – weder für Alkohol noch Hasch. Zum Glück gibt es seinen Sohn Rote Wiese und dessen Blutsbruder Old Schunterhand, die sich todesmutig ins Abenteuer stürzen und Tochter, Schatz und das Happy End retten.
Klingt nach Winnetou? Ist es auch – und noch viel mehr. Schanz und Eitner werfen alles ins Rennen, was die Location hergibt: Loks, Waggons, jede Menge Dampf, ein Wigwam unter freiem Himmel und – echte Pferde. Dazu sind wenigstens drei Figuren gar nicht die, für die man sie hält. Es gibt eine Saloon-Wirtin, einen Revolverhelden und einen lispelnden Mexikaner. Außerdem einen Rückblick auf „Good old Brunswiek“, Line-Dance für Publikum und viel, viel Musik.
Vielleicht haben es die beiden Macher einfach zu gut gemeint: „Spiel mir das Lied vom Löwen“ ist vollgestopft mit Personal, Messages und Zoten, die nicht immer zünden. So überzeugen manchmal die Nebendarsteller (herrlich Tahir Cevik als Taco Gonzales) mehr als manche Hauptfigur: Wenn Rote Wiese seinem Vater vorwirft, zu sehr dem Alkohol zu frönen, wirkt das (leider) einfach nur humorlos.
Trotzdem: „Spiel mir das Lied vom Löwen“ ist ein herrlicher Familienspaß, mit dem die Macher, was Location und Requisiten betrifft, echten Mut bewiesen haben. Tosender Applaus bei der Premiere.
Vorstellungen täglich außer Montag. Es sind noch Restkarten erhältlich. Am morgigen Sonntag und am 28. August ist beim Tag der offenen Tür ab 10 Uhr außerdem ein Blick hinter die Kulissen möglich. Der Eintritt ist frei.
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