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„Wie Don Camillo und Peppone“

Schauspielerin Pegah Ferydoni und Regisseur Züli Aladag kamen zur Vorpremiere von „300 Worte Deutsch“ ins C1. Foto: André Pause

Die Integrationskomödie „300 Worte Deutsch“ begegnet Klischees und Vorurteilen mit Komik.

Von André Pause, 30.01.2015.

Braunschweig. Auf versöhnliche, fast schon warmherzige Art und Weise spürt der Film „300 Worte Deutsch“ (Kinostart 5. Februar) über die Komik Wegen zum ethnienübergreifenden Miteinander nach.

Nun ist die Komödie von Züli Aladag nicht die erste, in der türkische wie deutsche Eigenheiten aufgegriffen und zugespitzt werden, um der Gesellschaft auf humorige Art und Weise den Spiegel vorzuhalten. In Zeiten, wo völkisches und nationalistisches Gedankengut auf die Straßen der Republik getragen wird, macht sich ein unterhaltsamer Kontrapunkt auf der Kinowand jedoch bestimmt nicht schlecht.

Gesellschaftlich gesehen seien es natürlich schon eher ungünstige und unschöne Umstände, unter denen der Film nun erscheint, findet Regisseur Züli Aladag. Ein Gegenentwurf zu Pegida und deren Thesen kann die Komödie seiner Ansicht nach womöglich gerade deshalb sein, weil sie die Begebenheiten einerseits zwar auf den Arm nimmt, aber auch in die Arme schließt. „Es ging uns immer darum, was man jenseits der Komödie an Subtext erzählen kann. Wir haben gefragt: Wie können wir hier und da ein bisschen provokativ sein, aufbrechen und dazu beitragen, dass dieses Thema Einwanderung/Integration mit ein bisschen mehr Leichtigkeit und Selbstironie betrachtet, sprich nicht so bierernst gesehen wird“, skizziert Aladag. Das gelte für beide Seiten, sowohl für Türken als auch für Deutsche. Denn: „Der Film ergreift keine Partei, beschuldigt keine Seite mehr als die andere. Es geht einfach darum, dass Menschen sich einander annähern, ihre Ängste verlieren, ihre Vorurteile hinterfragen und dabei auch noch Spaß haben.“

Inhaltlich geht es in „300 Worte Deutsch“ um den Verbleib einer zum Zwecke der Verkuppelung nach Köln chauffierten Gruppe türkischer Frauen. Der offen rassistische Leiter des Ausländeramtes Ludwig Sarheimer (Business as Stromberg: Christoph Maria Herbst) möchte die jungen Bräute eigentlich sofort wieder abschieben. Die geschönten Bescheinigungen über die Deutschkenntnisse der Damen, die selbstredend kein Wort Deutsch sprechen, kommen ihm da sehr zupass. Moschee-Vorsteher Cengiz Demirkan (Bauernschlau: Vedat Erincin) wehrt sich vehement dagegen. Doch selbst seine studierte und vorbildlich integrierte Tochter Lale (Pegah Ferydoni) rebelliert gegen die traditionelle Linie des Vaters. Als sie sich ausgerechnet in Sarheimers Neffen und Amtsmitarbeiter Marc (Christoph Letkowski) verliebt, ist das Chaos perfekt. Eine ganze Reihe von Charakteren und Geschichten, die sich aus dem Kampf der Kulturen ergeben, werden mit dem Hauptstrang des Films verwoben. Insgesamt ist die Story nicht wahnsinnig unvorhersehbar oder spannend, wird aber doch sehr gefühlig erzählt.
Auffällig ist, dass im Film die junge Generation über den klareren, vorurteilsfreieren Blick verfügt, während die Alten – die Regisseur Aladag in den Grundzügen mit Don Camillo und Peppone vergleicht – den Starrsinn gepachtet zu haben scheinen. Das mag schon ein wenig auf Alltagsbeobachtungen beruhen, und ist in letzter Konsequenz auch logisch. „Es gibt viele Dinge, die wir bereits voneinander gelernt haben, die in die Alltagskultur eingeflossen sind. Der Deutsche ist nicht mehr bei Sauerbraten und Eisbein zu verorten, er isst ja auch durchaus frisches Gemüse. Im selben Atemzug haben Einwanderer oder Familien mit Zuzugsgeschichte auch sehr viele deutsche Eigenheiten übernommen, die sie schätzen. Das Strukturierte, die Vorteile eines Sozialstaates und so weiter. Es ist Fakt, dass wir hier zusammenleben“, bringt es Pegah Ferydoni auf den Punkt.
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