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Wenn die Schönheit den Wesenskern verschleiert

Maria Lobodas „Curious and cold epicurean young ladies“ (2011): Ein platinbeschichteter Flakon gefüllt mit Wasserstoff. Foto: André Pause

Kunstverein setzt mit den aktuellen Ausstellungen auf schwer zugängliche Konzeptkunst.

Von André Pause, 06.04.2014.

Braunschweig. Wer kennt ihn nicht, den berühmten Satz aus filmgewordenen Seifenopern: „Schatz, es ist nicht so, wie es aussieht!“

Gültigkeit besitzt die Losung auch für die aktuelle Ausstellung des Braunschweiger Kunstvereins. Bis zum 1. Juni sind im Haus Salve Hospes die Arbeiten der Documenta-13-Künstlerin Maria Loboda (1979 in Krakau geboren) unter dem Titel „Dead Guardian“ zu sehen. Leicht wird es dem Besucher hier definitiv nicht gemacht. Das Gebäude am Lessingplatz ist äußerst sparsam bespielt. Geradezu aseptisch kommen die Räume in der klassizistischen Villa daher. Hier hängt ein silbriger Flakon in der Raummitte von oben herab, da gucken zwei Achate wie die Augen eines Aliens aus der kalkweißen Wand, schräg gegenüber hängen Wüstenrosenkristalle an der Decke und danach: zweimal die gleiche kommodenartige Skulptur. Mit dem unterschiedlichen Zustand der beiden weiß-schwarz lackierten Teile innerhalb der binären Arbeit (Interbellum, 2013) möchte Loboda die Zeit zwischen den Weltkriegen widerspiegeln, und mit ihr die Revolutionen auf verschiedensten Ebenen innerhalb dieser 20 Jahre. Ach so.

Der Künstlerin geht es um verschlüsselte Botschaften und Bedeutungen, um alte Geschichten und Symbolik, die sie reinszeniert, um neue Assoziationen und Interpretationen hervorzurufen. Schön anzuschauen ist das Ganze, schließlich schmeicheln die schönen Formen der Exponate, ist die noble Ästhetik der Ausstellung über jeden Zweifel erhaben. Dennoch gelingt es Loboda selbst beim Erläutern ihres Werkes nur schwer, zu erklären, was sie bei einzelnen Arbeiten wirklich umtreibt.

Etwas affektiert und chiffrierend redet die Künstlerin beim Pressetermin, beispielsweise über den Inhalt ihres Flakons (Wasserstoff), und was geschehen würde, würde dieser entweichen und mit Sauerstoff in Verbindung kommen (Verpuffung), über Grabsiegel des Tutanchamun oder über – verschiedene Baumarten werden von der Decke hängend präsentiert – „Bäume, die eigentlich nicht zusammen können“. Das wiederum ist zumindest mild strapaziös. „In ihren Skulpturen, Installationen und Collagen verschleiert das Schöne und Harmlose den teils unheimlichen, teils bedrohlichen Wesenskern“ heißt es im offiziellen Pressetext. Das mag sein, allein der Vorstoß dorthin bleibt ohne Instruktion Wunschdenken.

Beinahe selbsterklärend ist hingegen, was Cristina Lucas (1973 in Jaén geboren) im Hauptraum der Remise zeigt. „From the Sky down“ heißt die Dreikanalinstallation, der intensive Recherchen zur Geschichte der Luftangriffe zugrunde liegen. Abgebildet werden nun in drei Kapiteln alle weltweit dokumentierten Bombeneinschläge mit zivilen Opfern seit 1912. Der linke Screen zeigt die Daten zu den einzelnen Einschlägen, auf der Weltkarte in der Mitte rasen die Ortsnamen wie Granaten auf die Erde zu, und auf dem rechten Screen ist assoziierbares Filmmaterial zu sehen. Bis zum Künstlergespräch am 8. Mai soll das letzte bis heute reichende Kapitel abgeschlossen sein.
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