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Wenn aus der großen Liebe Routine wird

George (Hans Jürgen Bäumler) möchte aus Erklärungsnot vor seiner Frau Mildred (Marion König, r.) fliehen. Deren Schwester Ethel (Arzu Ermen) beobachtet die Szene. Foto: oh

Überzeugende Premiere von „Zwiebeln und Butterplätzchen“ in der Komödie am Altstadtmarkt.

Von André Pause, 08.10.2014.

Braunschweig. Oft bereiten im Bereich des Boulevardtheaters ja schon die Stücknamen veritable Schmerzen. „Zwiebeln und Butterplätzchen“ ist so einer. Was im ersten Augenblick nach Hausmannskost und Bauchweh klingt, erweist sich bei der Premiere in der Komödie am Altstadtmarkt jedoch als formidable Unterhaltung.

Im Zentrum der Geschichte des englischen Autorenduos Brian Cooke und Johnnie Mortimer steht das Ehepaar Roper. George und Mildred haben ein Vierteljahrhundert Ehe auf ihren Buckeln, und der gemeinsame Glückstern funkelte schon mal heller, weshalb der Herr des Hauses auch überhaupt keine Lust verspürt, die zweiten Flitterwochen – wie von der Gattin (Marion König) gewünscht und geplant – in Frankreich zu verbringen.

Sehr gelegen kommt dem Stoiker (schön lakonisch und kauzig: Hans Jürgen Bäumler) im Grunde, dass Mildreds versnobte Schwester Ethel (rollenbedingt die Nase oben: Arzu Ermen) sich frisch vom fremdgehenden Ehemann Humphrey (Werner H. Schuster) getrennt hat. Da könnten doch die Schwestern zusammen die Biege machen, und er derweil eine ruhige Kugel schieben, denkt sich George. Durchkreuzt wird der Plan allerdings durch Strohwitwer Humphrey, der den Schwager kumpelhaft zur Sause mit doppelter Damenbegleitung (Kim Kahnert und Mariangela Scelsi) überreden kann.

Als dann die Ehefrauen aufgrund eines Streiks der Fluggesellschaft nicht in Frankreich, sondern unvermittelt wieder im Heim der Ropers landen, kommt es erwartungsgemäß zu Turbulenzen, denn die beiden jungen, ihrerseits der außerehelichen Verschränkung nicht abgeneigten Begleiterinnen sind noch vor Ort – und unbekleideter denn je.

Regisseur Horst Johanning tut gut daran, das Stück im Spannungsfeld zwischen erkalteter Liebe, zwischenmenschlicher Vertrautheit und nervtötender Ehe-Routine mit nicht einmal zwei Spielstunden knapp und die Wendungen am Ende nicht allzu vorhersehbar zu gestalten. Überhaupt setzt er eher auf eine verhältnismäßig dezente Humorschiene, die – na klar – auch mal frivol ist, aber eben auch nicht ins Krachlederne abgleitet. Verlassen kann er sich in Braunschweig auf ein auffallend gut harmonisierendes Ensemble, das die komische Spielsituation mit einem feinen Gefühl für Mimik zu unterstützen weiß. Das Publikum bedankt sich standesgemäß für die starke Vorstellung.
Infos zu Terminen: www.komoedie-am-altstadtmarkt.de
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