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Welfenschatz-Ausstellung in Braunschweig?

Reliquiar mit Zahn Johannes des Täufers, heute in Chicago
 
Welfenkreuz, heute in Berlin

Traum einer Ausstellung

In den letzten Tagen war mehrfach in den Medien über die Idee berichtet, den "Welfenschatz" zu einer Ausstellung nach Braunschweig zu holen. Unzweifelhaft wäre das eine hervorragende Ausstellung, die weit über unsere Region wirken und zahlreiche Besucher in unsere schöne Stadt bringen könnte. Der Leiter des Herzog-Anton-Ulrich-Museums, Professor Luckhardt, äußerte sich sinngemäß, wenn er den Sponsor dafür hat, würde er die Aussellung planen.
Wie realistisch ist diese Idee tatsächlich?

Der Welfenschatz

Diese Bezeichnung erhielt eine Sammlung von kunsthistorischen Gegenständen, meist gefertigt als Reliquienbehälter, erst nach 1866. Unsere Welfenherzöge hatten über Jahrhunderte zahlreiche kostbare Gegenstände zusammengetragen, 1482 besteht er laut einer Inventurliste aus 140 Gegenständen. Durch Diebstähle und Eigenentnahmen reduzierte sich in den nächsten Jahrhunderten die Menge auf 82 Stück.

Im Besitz des katholischen Herzogs

1671 verlor die protestantische Stadt Braunschweig ihre Selbstständigkeit. Mit Ausnahme der Armreliquie des Hl. Sankt Blasius, Namensgeber unseres Domes, wurde der Welfenschatz an den katholischen Herzog Johann Friedrich übergeben, der ihn in das Schloss von Hannover brachte. Aus Furcht vor den Truppen Napoleons gelangten die Stücke dann nach England, unter König Georg V. kamen sie anschließend zurück nach Hannover und fanden ihren Platz im 1862 eröffneten Königlichen Welfenmuseum.

Schicksalhafte Jahre

1866 annektierte Preußen das Königreich Hannover. Der Welfenschatz wurde dem persönlichen Besitz Georg V. zugschrieben und von diesem in das Exil nach Österreich gebracht und in Wien im Museum für Kunst und Industrie ausgestellt.
Ab 1928 bemühte sich sein Enkel, Herzog Ernst-August von Braunschweig-Lüneburg, die verbliebenen 82 Teile zu verkaufen. Mit dem Erlös wollte er seine zahlreichen Schlösser unterhalten. Durch die Revolution von 1918 hatte der Herzog andere Einnahmequellen verloren. Der Gesamtpreis sollte 24 Millionen Reichsmark betragen, aber durch die Weltwirtschaftskrise fand sich kein Käufer.

Ankauf durch Kunsthändler

1930 erwarb ein Konsortium aus bekannten jüdischen Kunsthändlern, bestehend aus Zacharias Max Hackenbroch, Firma J. Rosenbaum und Firma I. & S. Goldschmidt, für 8 Millionen Reichsmark die Stücke und stellten sie an verschiedenen Orten aus. Nach und nach wurden 40 Stücke verkauft. Jetzt ging es um den restlichen Verkauf von 42 Stück, für die sich der Preußische Staat interessierte. Obwohl im Nazi-Deutschland faktisch bereits ein Berufsverbot für jüdische Ärzte und Anwälte galt, verhandelte noch im Frühjahr 1935 mit Sondergenehmigung der jüdische Bankvorstand mit einem jüdischen Kunsthändler über den in den Augen der NDSAP 'völkisch' bedeutsamen Kunstschatz. Das Konsortium, bestehend aus mindestens 8 Personen, wollte dafür 7,5 Millionen Reichsmark - das entspricht heute einer Kaufkraft von rund 150 Millionen Euro!

Zähe Verhandlungen

Wie war es überhaupt möglich, dass die Nazis mit jüdischen Händlern noch verhandelte? Nun - die 42 Stücke des Welfenschatzes befanden sich in einem Tresor im Ausland - und man war daran sehr interessiert! Es gab keinen anderen Interessenten als die deutschen Behörden. Auch der Oberbürgermeister von Hannover hatte sein Interesse bekundet, wurde aber von Adolf Hitler zurückgerufen. Nun wurde die Dresdner Bank beauftragt, den Kontakt zum Konsortium herzustellen. Nach zähen Verhandlungen einigte man sich schließlich auf den Kaufpreis von 4,1 Millionen Reichsmark. 3.371.875 RM sollen an Hackenbroch überwiesen werden, für weitere 778.125 RM konnte sich Rosenberg Kunstwerke aus den Berliner Museen aussuchen. Die Unterschriften erfolgen am 14. Juni 1935, damit ist der Welfenschatz rechtskräftig verkauft.

Wem gehört der Welfenschatz?

Jetzt meldete sich eine Rechtsanwaltsgemeinschaft und erhob im Namen der Erben der jüdischen Kunsthändler Anspruch auf den Welfenschatz, weil er als "Beutegut" der Nazis einzustufen sei. Die richterliche Entscheidung darüber wird im Wesentlichen durch die sogenannte Limbach-Kommission als Schiedsgericht beeinfluss werden. Aber: Ist hier nicht alles ausnahmsweise einmal rechtmäßig abgewickelt worden? Der Kunsthändler Saemy Rosenberg schickte als Dank für die problemlose Abwicklung dieses Deals einen kostbaren, venezianischen Glaspokal nach Berlin. Der deutsche Zoll bestätigte eine Ausfuhr von 'altertümlichen Gegenständen nach England' - eben die Stücke, die er sich im Gegenzug aussuchen durfte.
Es steht fest, dass die Verkäufer Hackenbroch und Rosenberg jeweils 3,75 Prozent am Konsortium hielten, Julius Goldschmidt 2,5 Prozent, der Vermittler Heilbronner ebenfalls 2,5 Prozent. Die zusätzlichen Personen sind jedoch nicht mit Sicherheit bekannt. Das nun erhobenen Restitutionsbegehren geht hauptsächlich auf Angehörige von Rosenberg zurück.
Weder für die Richter noch für die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist es nun eine leichte Position. Als Indiz für die Rechtmäßigkeit des Erwerbs kann auch z.B. gelten, dass sich die Jewish Claim Conference aus diesem Restitutionsfall heraushält.

Ausstellungsmöglichkeit in Braunschweig?

Über die Besitzverhältnisse des Welfenschatzes soll in der kommenden Woche durch ein Schiedsgericht entschieden werden. Angenommen, alles darf in Berlin verbleiben - wie soll eine Ausstellung in Braunschweig, in Burg und Dom, realisiert werden? Kenner sind sich sicher, dass der heutige Wert des Welfenschatzes auf dem freien Markt bis zu 400 Millionen Euro beträgt. Angesichts eines solchen Betrages dürfte eine Planung schon an den Sicherheitsauflagen scheitern, die mit einer solchen Ausstellung verbunden wären.
Das ist zwar bedauerlich, aber vermutlich realistisch: Eine Ausstellung in Braunschweig der verbliebenen 42 Stücke des Welfenschatzes wird nicht umzusetzen sein.

(Quellen: Wickipedia,, Welfenschatz, Welt am Sonntag vom 12.1.2014, Artikel von Sven Felix Kellerhoff: Das Erbe der Konsorten)
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1 Kommentar
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Thomas Ostwald aus Braunschweig - Innenstadt | 12.01.2014 | 16:28  
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