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Was vom schönen Schein im Alltag bleibt

Txema Salvans, aus der Serie „The Waiting Game“. Foto: Salvans

Der Künstler Txema Salvans ist mit seiner ersten musealen Einzelausstellung im Museum für Photographie zu sehen.

Von André Pause, 06.09.2016.

Braunschweig. In erster Linie ist es wohl feine Ironie, die als roter Faden alle vier Räume der Schau „Spain – Based on a True Story“ von Txema Salvans (Jahrgang 1971) miteinander verbindet. Insgesamt vier Serien des spanischen Fotokünstlers sind bis zum 25. September im Rahmen dessen erster musealer Einzelausstellung in den Torhäusern des Museums für Photographie zu sehen.

Dabei bewegt sich Salvans mit seinen Arbeiten im Spannungsfeld zwischen schönem Schein und kühner Behauptung auf der einen und dem oft tristen Status Quo auf der anderen Seite. In der neuesten Reihe „Perfect Day“ ist das formvollendet zu erkennen. Die abgebildeten Personen schauen allesamt in Richtung Meer. Nur der Fotograf wählt den Blick ins Landesinnere, was den Tag der Sonnenanbeter bei weitem nicht so perfekt aussehen lässt, wie der Titel suggeriert.

Von Serie zu Serie freilich wechselt vor allem durch das Variieren der Distanz zum Objekt die zugrundeliegende Stimmung. Für „Nice to meet you“ (2005) bat Salvans per Zeitungsannonce fremde Menschen, für einen Tag Teil ihrer Familie zu werden. Das dabei entstandene Material zeigt die Protagonisten in bisweilen peinlichen Situationen. Verstärkt wird die Wirkung durch die unmittelbare Objektnähe in den schwarz-weißen Nahaufnahmen sowie durch kurze Erzählungsmomente, in denen die Verletzlichkeit der abgebildeten Personen offenbar wird.

Mit der im Laufe der Jahre entstandenen Serie „My Kingdom“ (2016) wird die Ironie dagegen zum beißenden Spott. Pathostriefenden Zitaten aus Weihnachtsansprachen des vor zwei Jahren abgedankten spanischen Königs Juan Carlos I., die in der Schau als Ansichten von Teleprompter-Bildschirmen gezeigt werden, setzt Salvans Menschen beim Nichtstun entgegen. Das Schwarz-Weiß der Bilder des Bevölkerungsalltags wird hier beinahe zur kompletten Provokation, weil es beiläufig den Anachronismus der Weiter-so-Aussagen des damaligen Königs in Zeiten der Wirtschaftskrise aufs Korn nimmt.

Mit der zweiteiligen Serie „The Waiting Game“ (2014) schließlich spielt der Künstler mit der Eindeutigkeit von Situationen. Im ersten Teil der Reihe analytischer Panoramaaufnahmen warten Prostituierte an eher unwirtlichen Orten, im zweiten Teil sind es Angler. Der große Abstand zu den abgebildeten Menschen verschleiert das jeweilige Vorhaben. Bildkompositorisch sind die Fotografien so gestaltet, dass die eigentliche Übergangssituation des Wartens zum vielsagenden Dauerzustand wird.

Die Ausstellung von Txema Salvans, dessen Fotobuch zu „The Waiting Game“ 2012 als Gewinner der Iberoamerican Photobook Competition ausgezeichnet wurde, ist bis zum 25. September zu sehen. Dienstags bis freitags von 13 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Führungen finden jeden Sonntag ab 16 Uhr statt. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.photomuseum.de.
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