Anzeige

Was jeder Einzelne von uns tun kann

Am Ende der Klimakonferenz werden die nicht unkomischen Ergebnisse laut als gemeinsame Erklärung verlesen. Foto: A. Pause

„Die Klimakonferenz“ im Haus Drei schafft den Spagat zwischen Aufklärung und Unterhaltung.

Von André Pause, 17.06.2015.

Braunschweig. Eine theatrale Installation mit dem Namen „Die Klimakonferenz“ für Leute ab zwölf Jahren steht auf dem Plan des Jungen Staatstheaters. Hoffentlich wird das nicht zu pädagogisch, peitscht da nicht durchgehend der erhobene Zeigefinger, erfolgt da nicht allzu häufig der klebrige Griff ans Gewissen – denkt der Erwachsene so vor sich hin, vor dem Besuch im Haus Drei hinter der Magnikirche.

Die Befürchtungen sind Gott sei Dank unbegründet. Schon die Begrüßung ist herrlich unprätentiös: „Herzlich willkommen bei der dritten Klimakonferenz. Bitte füllen Sie die Karte aus“, bestimmt das Personal. Fertig. Damit ist man dann zugelassen zur Verhandlung.

Die Struktur des Programms ist im Gegensatz zum komplexen Thema Klimawandel denkbar einfach: „Wir wussten am Anfang wenig bis gar nichts. Jetzt wissen wir ein bisschen mehr“, sagt Schauspielerin Anja Signitzer. Sechs Monate Vorbereitung habe es im Vorfeld des Stückes gegeben, nun wolle man das erworbene Wissen gerne teilen.

Einer der großen Einflussfaktoren für den Klimawandel ist seit Beginn der Industrialisierung der Mensch: Der Ausstoß von CO2, der durch Industrie und privaten Lebensstil erzeugt wird, belastet die Atmosphäre in uneinschätzbarem Ausmaß. Eigentlich ist es Zeit zu handeln, und auch die Politik ruft nach Reduktion. Dennoch erhöht sich der CO2-Ausstoß weiter.

Das wirft Fragen auf: Ist es zu einfach, den großen Energiekonzernen die alleinige Schuld am Klimawandel zu geben und sich selbst im Alltag der Verantwortung zu entziehen? Wir alle nutzen schließlich die Produkte der Industrie und tragen damit selbst zur Erderwärmung bei.

„Die Klimakonferenz“ fragt nun in vier Runden (Klimabarometer) das Meinungsbild der Teilnehmer ab und zeigt im Nachgang (Workshops) Möglichkeiten für jeden Einzelnen auf, sich durch das Verhalten als Konsument und politisches Engagement an der Rettung der Welt zu beteiligen. Die Fragen im Stück beantworten die Schüler, indem sie sich auf ein blaues, weißes und grünes Feld stellen. Jedes Feld ist dabei mit einem für das Klima positiven, negativen oder neutralen Statement verknüpft.

Zwischendurch betreibt das Ensemble des Jungen Staatstheaters Faktenvermittlung, wissenschaftlich unterstützt durch Jannik Heusinger von der TU Braunschweig. Gespielt wird natürlich auch. Zu Peter Fox „Schüttel deinen Speck“ beispielsweise tanzen die Darsteller als Huhn, Lamm, Schwein und Co. und sticheln – politisch sehr korrekt – gegen den Fleischkonsum. Auch sonst gelingt der Spagat zwischen Unterhaltung und Aufklärung. Dass Letztere dringend nötig ist, beweisen die Ergebnisse der Befragung, die am Ende laut zur Verlesung kommt. Zugespitzt lässt sich festhalten, dass alle gerne etwas zur Klimaverbesserung beitragen würden – am liebsten mit noch mehr Automobilität sowie einem Ski-Dome in der Stadt. Soviel dazu ...
Am morgigen Donnerstag (10 Uhr) findet die nächste „Klimakonferenz“ statt. Weitere Termine, Infos unter www.staatstheater-braunschweig.de .
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.