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Warum wird man kriminell?

Anja Signitzer und Ravi Marcel Büttke als Gangsterpärchen Bonnie und Clyde. Foto: Volker Beinhorn

Uraufführung im Haus Drei: „Rewind: The Story of Bonnie und Clyde“.

Von André Pause, 30.04.2014.

Braunschweig. Da liegen sie auf der Bühne im Haus Drei, die Bonnie und der Clyde. Nachdem sie sich in ihren weißen Rennfahreranzügen aus den Leichenskizzen erhoben haben, erzählen sie sicherheitshalber noch mal, dass sie eigentlich Anja (Signitzer) und Ravi (Marcel Büttke) sind – Schauspieler, also gar nicht wirklich Bonnie und Clyde.

Wer hätte das gedacht: echte Schauspieler. Den Unterschied zu nicht echten Schauspielern erkennen selbst die jungen Zuschauer (12+) im Recherchestück von Ronny Jakubaschk, Christoph Macha und Ensemble sofort, die sind nämlich auch dabei bei der Uraufführung von „Rewind: The Story of Bonnie und Clyde“. Rainer Klingenberg und Jürgen Zwengel heißen die beiden älteren Herren, die wiederholt in Nebenrollen schlüpfen und – die Spielsituation flankierend, an Schreibtischen sitzen, die Skripte im Aktenordner vor der Nase – den Rahmen der Geschichte referieren und abstecken.
Nicht immer sind die beiden Stadttheater-Mitglieder ein Ausbund an Textsicherheit, vor allem Zwengel nuschelt seinen Text, die Sprechpausen an den unüblichsten Stellen, in die Gegend. Die im Pädagogendeutsch gern als „Experten des Alltags“ bezeichneten Akteure verschleppen das Stück leider etwas, was zur Folge hat, dass im Laufe der 70 Minuten Aufführungszeit vereinzelt Unruhe unter den juvenilen Besuchern aufkommt.
Dass der Abend dennoch positiv im Gedächtnis haften bleibt, liegt an der insgesamt eher kurzweiligen, vor allem lehrreichen und zudem gefühlvollen Inszenierung. Die gemeinsame Suche nach Antworten auf Fragen – warum werden Menschen kriminell, was veranlasst Menschen zu rauben, zu stehlen oder gar andere Menschen zu töten – nimmt die kleinen und nicht ganz so kleinen Leute im Haus Drei mit. Recht detailliert, aber anschaulich geht es nach schlaglichtartigem Zurückspulen durch das Leben des bekannten Gangsterpaares. Da wird der zickzackige Beutezug im Mittleren Westen der USA mittels schwarzgelbem Signalklebeband auf dem Bühnenboden nachvollzogen, wird durch akzentuiertes Spiel von Signitzer und Büttke die schrittweise Verrohung der Sitten bei Bonnie und Clyde in rasch aufeinanderfolgenden Überfallsituationen verdeutlicht, und da wird auf komödiantische Art und Weise eine menschliche Verortung des Paares vorgenommen, via Abgleich mit fiktiven Pärchen wie Bella und Edward aus „Twilight“.
Manch einem wird „Rewind: The Story of Bonnie und Clyde“ sicher eine Nuance zu pädagogisch sein. Machen kann man das aber so.
Weitere Informationen zum Stück und den Terminen gibt es unter www.staatstheater-braunschweig.de .
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