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Vorletzter Streich der Kunstfamilie

Die Familie Malente mit ihren Rosie Singers. Foto: Veranstalter

Bis zum 12. Oktober präsentieren die Malentes in der Altstadtmarktkomödie „Musik aus Studio C“.

Von André Pause, 02.09.2016.

Braunschweig. Die Liebe zum Schlager, besonders zu jenem in deutscher Mundart, führte das Ehepaar Knut Vanmarcke und Dirk Vossberg-Vanmarcke alias Peter und Vico Malente alias Familie Malente in den vergangenen dreizehn Jahren durch sämtliche Nachkriegsdekaden. Zuletzt sogar bis nach Amerika. Dies freilich nicht echt, sondern allein auf der Bühne. Jetzt scheint bei der „künstlichen Kunstfamilie“ (Selbstbezeichnung) ein bisschen die Luft raus zu sein.

Das aktuelle Programm „Musik aus Studio C“, mit dem die Malentes bis zum 12. Oktober in der Komödie am Altstadtmarkt zu erleben sind, sei die vorletzte Revue in bekannter Manier, verkünden die Künstler. Im kommenden Jahr möchte man mit „Vielen Dank für die Blumen“ der Schlager- und Zeitgeistparodie „Adieu“ sagen. Vorerst zumindest.

Mutig, vor allem aber konsequent ist dieser Schritt, denn bei Licht betrachtet nutzte sich das Konzept, bekannte Schlagermelodien und die Essenz aus der historischen TV-Werberei zu einem mal mehr und mal weniger stimmigen Potpourri zu verrühren, zuletzt doch erheblich ab. Zu vieles war beziehungsweise ist voraussehbar oder gar Wiederholung.

Was die Familie Malente und ihre drei Rosie Singers auch in schwächeren Phasen rettet, ist das unbestreitbare handwerkliche Können. Das ist auch im Falle von „Musik aus Studio C“ so. Wirkt die Hommage an die 60er Jahre insgesamt etwas arg routiniert und uninspiriert, blitzen die genialischen Unterhaltungsmomente doch hier und da durch. Wenn Peter und Vico die geschwätzige Werbeikone Frau Antje aus Holland auf den ungelenken Schweizer Entertainer Vico Torriani treffen lassen, beide zusammen den Evergreen „Tulpen aus Amsterdam“ anstimmen, dann haben auch Malente-Fans der ersten Stunde ihren Spaß, weil hier feine Beobachtungen der jeweiligen Charaktere in die schrille Persiflage mit einfließen.

Schön gelingen auch einige Werbeblöcke, beispielsweise für den Weinbrand Asbach Uralt. Dabei ist der Text immerhin so bekannt, dass das Publikum die gut dreißig Jahre alten Sätze eins zu eins mitsprechen kann. Was den vortragenden Dirk Vossberg-Vanmarcke wiederum zur lakonischen Bemerkung veranlasst: „Dann machen Sie Ihren Kram doch selber!“ Mit Hits wie „Spaniens Gitarren“ von Cindy und Bert, „Mendocino“ und „Barfuß im Regen“ von Michael Holm lagen die Hamburger Entertainer ohnehin noch nie verkehrt.

Mehr als verzichtbar ist dagegen das Zeitebenenspiel mit Hilfe eines völlig unterdimensionierten TV-Gerätes über der Bühne, aus dem heraus zwei alte Herren als 60-Plus-Malentes auf das Bühnengeschehen zurückblicken.
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