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Vor 850 Jahren: Mathilde v. England heiratet Heinrich d. Löwen

Die 18jährige Lena Ahrens als Mathilde und Holger Feder als Herzog Heinrich im Theaterstück "Der Löwe heiratet", letztmalig am 3.2. im Theater Schloss Wolfenbüttel
 
Mathilde - Darstellung aus dem Evangeliar Heinrich des Löwen
Mathildes Bedeutung für unsere Region

Am 1. Februar des Jahres 1168 traute im Dom zu Minden Bischof Werner von Bückeburg Herzog Heinrich, genannt „Der Löwe“, mit Mathilde Plantagenet, Tochter von Eleonore von Aquitanien und König Heinrich II. von England. Die Hochzeitsfeier fand anschließend in Braunschweig statt.

Die Bedeutung dieser Hochzeit ist immens, stärkte doch die Verbindung des Welfenhauses mit dem englischen Königshaus die Position Heinrich des Löwen für längere Zeit. Schließlich wurde der englische Hof für ihn während seines Exils der einzig mögliche Aufenthalt überhaupt.

Mathilde von England, eigentlich Matilda Plantagenêt, Tochter des englischen Königs Heinrich II. und Eleonore von Aquitanien, hatte am englischen Königshof eine besondere Erziehung erlebt. Ihre kunstverständige Mutter, die Minnesänger einlud und förderte, wirkte auch auf ihre älteste Tochter Mathilde.

Ein Kulturschock für eine junge Frau?

Als sie vor 850 Jahren nach Braunschweig kam, muss das für die erst Zwölfjährige Frau ein Kulturschock gewesen sein. Der Hof von Braunschweig ließ sich nicht im Entferntesten mit dem englischen vergleichen. Hier hatte Herzog Heinrich eine Ritterschar um sich versammelt, die seine Ministerialen bildete. Wir dürfen heute davon ausgehen, dass sich die Gespräche in erster Linie um Schlachten und Waffentechniken drehten.

Mathilde wirkte aber auf ihre besondere Weise und begann, auch in Braunschweig die schönen Künste zu fördern. Die Dichtung der Ritter in Frankreich war ihr gut vertraut, und man nimmt heute an, dass die Übersetzung des Rolandliedes durch den Pfaffen Konrad von ihr angeregt wurde. Dieser Übersetzer, der sich selbst als „Pfaffe“ bezeichnete, nannte als Auftraggeber für seine Arbeit einen „Herzog Heinrich“. Die Arbeit entstand um 1170 und sollte auch dazu dienen, die Abstammung Heinrich des Löwen von Karl dem Großen zu verdeutlichen.

Mathilde als Förderin der schönen Künste

Weiter wird vermutet, dass auch die Arbeit des Eilhart von Oberg auf ihre Anregung hin geschah. Eilhart übersetzte die erste Versromanfassung von Tristant und Isalde.
Das Bild Mathildes, die im damals durchaus üblichen Alter von zwölf Jahren mit dem wesentlich älteren Heinrich verheiratet wurde, ist leider sehr dürftig, zumal sie in der Darstellung immer im Schatten ihres Mannes zu stehen scheint. Anders aber auf dem Widmungsbild des berühmten Evangeliars Heinrich des Löwen, das sich heute in der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel befindet. Dort trägt Mathilde als Königstochter eine Krone – Heinrich nicht.

Regierende Herzogin

Kaum jemand ist auch bewusst, dass Mathilde die Geschicke des Herzogtums lenken musste, als ihr Mann Heinrich für drei Jahre ins Exil musste. Als er nach seiner Rückkehr erneut von Kaiser verbannt wurde, übernahm sie erneut die Geschäfte, verstarb aber bereits im Jahr 1189 im Alter von etwa 33 Jahren. Sie wurde vor dem Altar im Dom beigesetzt, als Heinrich 1195 starb, wurde er an ihrer rechten Seite beigesetzt.
Der dritte Sohn des Herzogpaares wird als Otto IV. der einzige Kaiser aus dem Geschlecht der Welfen. An seine Krönung 1198 erinnerte man in Braunschweig mit zahlreichen Veranstaltungen vor einigen Jahren.
Um Herzogin Mathilde dagegen bleibt es merkwürdig still in unserer Region – sieht man einmal von der Theateraufführung in Wolfenbüttel ab, bei der das Stück „Der Löwe heiratet“ am Samstag, 3.2., um 18 Uhr im Schlosstheater aufgeführt wird.  
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