Anzeige

Von den Eiern über die Hendl zu einer besseren Welt

Einstieg light in eine bessere Welt: „A Joar lang koa Hendl“ – Hans Söllner macht seinen Fans einen Vorschlag. Foto: Fahem

Hans Söllner im Congress-Saal der Stadthalle – Ein starkes Plädoyer für Mut, Mitmenschlichkeit und Widerstand.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 27.01.2018.

Braunschweig. Optisch hat er ein bisschen was vom alten Holzmichl, aber das ist Nebensache. Denn Hans Söllner hat eine Botschaft. Genauer viele. Er ist ein unbequemer Zeitgenosse.

Am Ende seines Konzertes erzählt er im Congress-Saal der Stadthalle von seinem Hobby: Er verfolgt Polizeistreifenwagen. Bis die Polizei ihn genervt kontrolliert. Und dann diskutiert er endlos mit den Beamten. Der Mann liegt im Dauerclinch mit der Staatsmacht und stellt überhaupt vieles infrage.

Hans Söllner kämpft für eine bessere Welt. Er ist wütend. Das sorgt für Tiefe, gibt seinen Liedern, seiner Musik eine besondere Kraft. Er singt in der Songwriter-Tradition amerikanischer Vorbilder, mit großem musikalischem Instinkt. Söllners Gitarrentechnik ist schmucklos, sein Stimmumfang überschaubar. Aber die reduzierten Mittel beherrscht er großartig.

Auf seinem Stuhl hockt er mit den Füßen auf einem Koffer, das Gestell für die Mundharmonika um den Hals. Immer wieder legt er die Gitarre auf den Oberschenkeln ab und fängt an zu erzählen, er mäandert durch die Berge und die Welt, über seinen Hühnerhof und zu den Nachbarn, denen er die Eier seiner geliebten Hühner schenkt. „Ned, weil i de so nett finde“, erklärt er, „grod, damit sie koa kaffn miassn“.

Denn die „Hendl“, die liegen ihm am Herzen – und die Pelztiere, für die er ein bewegendes Lied singt. Aber auch die Menschen, selbst und besonders, wenn er sie nicht versteht. „Für ein Mädchen aus Afrika“, das Lied gegen Beschneidung, geht sprichwörtlich unter die Haut. Politisch unkorrekt verurteilt er das barbarische Massaker, das sich unter dem Denkmantel der Tradition vollzieht, ohne Wenn und Aber.
Er greift Sigmar Gabriel an und dessen Haltung im Panzergeschäft mit der Türkei. „Wir liefern ja nicht in Krisengebiete“, höhnt Söllner, „was hat er wohl gedacht, was Erdogan mit den Panzern macht? Bepflanzen?“

Hans Söllner nennt die Dinge beim Namen, auch die schönen. Er findet poetische Sätze für die Liebe, für die Heimat, für die Sonnenstrahlen auf dem Bergrücken. Und er kann auch charmant sein, Mut machen. Es gibt viel Applaus. Nach gut anderthalb Stunden verschwindet er – ohne Zugabe.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.