Anzeige

Voller Tag mit vollen Gängen

Am Samstagvormittag ging es noch gut voran, später herrschte dann dichtes Gedränge auf der Leipziger Buchmesse. Foto: Pause
 
Hingucker: Manga-Figuren wurden lebendig. Foto: Pause

Ein spontaner Besuch der Buchmesse „Leipzig liest“.

Von André Pause, 18.03.2015.

Leipzig. Einmal im Jahr feiert das literarische Leben in der sächsischen Metropole ein Fest. Ein Tag auf der Buchmesse „Leipzig liest“ könnte doch eine inspirierende Sache sein, denke ich mir aus einer Vorwochenendlaune heraus: also nichts wie hin.

Rund 251 000 Besucher werden sich von Donnerstag bis Sonntag durch die Messehallen 2 bis 5 und die Glashalle bewegt haben. Was den Samstag, meinen Tag vor Ort, anbelangt trifft es gedrängelt und geschoben glatt noch etwas besser. Irgendwann ab dem frühen Nachmittag, so fühlt es sich an, wird man gegangen, vorbei an den 3000 Mitwirkenden und 2263 Ausstellern.

3200 Veranstaltungen an 410 Leseorten (viele gehen ab Mittwochabend über die ganze Stadt verteilt über die Bühnen) locken insgesamt, und da sind die Events der parallel in Messehalle 1 stattfindenden Manga-Comic-Convention noch nicht einmal mitgezählt. Überhaupt sorgen die Liebhaber von Comics, Manga, Cosplay, Japan und Games in Leipzig für einen kräftigen Farbklecks, das ein oder andere dankbare Fotomotiv sowie einen Clash der Klischees – gleich auf den ersten Metern.

Auf dem blauen Sofa des ZDF, in unmittelbarer Nachbarschaft quasi, unterhält sich nämlich Moderator Hans Dieter Heimendahl mit Arno Geiger über dessen neuen Roman „Selbstporträt mit Flusspferd“. Ihnen gelingt eine Podiumsdiskussion wie aus dem Lehrbuch des Rollenverhaltens: Schenkel schlagen über Schenkel, Füße baumeln in polierten Schuhen, Daumen und Zeigefinger kneten Kinne und die Zeigefinger stützten bei Redepausen über 20 Sekunden effektvoll die Nasenspitzen. So geht vergeistigt.

Dann doch erst mal lieber einen Begrüßungskaffee am Stand von Mephisto 97.6 dem Lokalradio der Uni Leipzig. Dort referiert gerade Heike Völker-Sieber, Pressechefin beim Hörverlag Random House, über die üngste Erfolgsgeschichte des Hörbuchs: „14,3 Millionen verkaufte Hörbücher in 2014, paralleles Wachstum zum Digitalen“ und so weiter. Der Moderator hat noch zwei weitere Gäste, deren Namen ihm so spontan einfach nicht einfallen wollen. Einer von ihnen, das hat er noch gespeichert, ist für Oliver Rohrbeck anwesend. Der Drei-Fragezeichen-Sprecher musste aufgrund von Terminschwierigkeiten leider passen. Nun, was solls, der Kaffee ist ohnehin verdrückt.

An einem fast beendeten Gespräch mit Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode am Stand von Deutschlandradio Kultur laufe ich vorbei zur Textbox mit Live-Literatur, Slam Poetry und Spoken Word. Mehr als ein Dutzend Leute stehen und sitzen mit Kopfhörern um den schalldichten Raum aus Stahl und Acrylglas herum und hören sich die Geschichten der Poeten an. Erstaunlich viele ältere Hörer lauschen dem eher juvenilen Dichtervolk, denke ich.

Nicht ganz so viele Aufschlüsse wie erhofft liefert danach der Vortrag „Was mache ich mit meinem Manuskript?“ im Forum von „autoren@leipzig“. Lisa Handirk vom Ruckzuckbuch-Verlag vertritt hier ihre erkrankten Chefs. Man solle sich unter anderem die Frage stellen, ob das Skript wirklich fertig ist, das Ergebnis seinem „besten Feind“ zu lesen geben, eine Konkurrenzanalyse im Genre durchführen und das Titelschutzrecht checken, meint Lisa.

Aha, sehr gern, bevor es soweit ist besuche ich aber noch fix einige wirklich informative und/oder unterhaltsame Gespräche und Kurzlesungen mit den Autoren André Herrmann („Klassenkampf“), Jean Ziegler („Ändere die Welt“), Thomas Brussig („Das gibt’s in keinem Russenfilm“), der seinen Hörbuchsprecher Stefan Kaminski im Schlepptau hat, der Redaktion der taz-Wahrheit-Seite, Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck („Kino!“) sowie Kolumnist Harald Martenstein („Die neuen Leiden des alten M.“). Der Bummel durch die Hallen kommt durch das straffe Programm etwas zu kurz. Immerhin entdecke ich noch den Stand des Kunstanstifter-Verlags, an dem die Bücher der Braunschweiger Illustratorin Roberta Bergmann zu erstehen sind.

Nach einem kurzen Abstecher zum Antiquariat in Halle 3 geht es schließlich in Richtung Ausgang. Dabei reift die Erkenntnis, dass die Entscheidung für einen Programmpunkt immer auch die Entscheidung gegen unzählige andere ist. Zwei bis drei Tage braucht es wohl, um der Sache vollends gerecht zu werden. Das nächste Mal werde ich mir einfach mehr Zeit nehmen. Ex-Dschungelkönigin Melanie Müller und Ex-Pornostar Dolly Buster kommen mir auf dem Weg ins Freie noch entgegen, gestützt und geführt von Vertrauensleuten entgegen. Wie sagt der Volksmund: wenn es am schönsten ist ...
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.