Anzeige

Viel Spaß, großer Ernst und schöne Hackenschuhe

Die nächste Aufführung von „Ragtime“ am Staatstheater ist am Samstag (31. Oktober). Foto: oh
 
Das Leben von Fabian und Vivien Zöller hat sich verändert, seit sie im Musical „Ragtime“ im Staatstheater auf der Bühne stehen. Foto: Schonlau
Braunschweig: Staatstheater |

Fabian und Vivien Zöller aus Bevenrode im Musical „Ragtime“ am Staatstheater.

Von Sigrid Schonlau, 24.10.2015.

Braunschweig. Es ist Schlag halb elf am Abend und noch immer singen und spielen Fabian und Vivien Zöller in „Ragtime“ munter mitten zwischen den Profidarstellern auf der Bühne im Großen Haus des Staatstheaters Braunschweig mit. Das Musical hatte gerade im September mit großem Erfolg Premiere. Seitdem wechseln sich die beiden Zöller-Kinder mit dem zweiten Kinderpaar ab. Jeweils um halb sieben müssen die Geschwister im Theater sein, werden geschminkt und schlüpfen in ihre Kostüme.

„Wir machen immer Mittagsschlaf, damit wir den ganzen Abend durchhalten können“, erklärt die zehnjährige Vivien. „Am nächsten Morgen müssen wir ganz normal in die Schule.“ – Fabian in die Gauß-Schule, Vivien in die IGS Volkmarode.
Fabian singt in der Domsingschule in Braunschweig, ein Hobby, das er gleich noch etwas ausgebaut hat. Seit einigen Monaten ist er auch Mitglied im Belcanto-Kinderchor unter der Leitung von Mike Garling. Da war der Schritt für ein Vorsingen bei der musikalischen Leitung von „Ragtime“, Georg Menskes, und der Chorleiterin Johanna Motter nicht mehr ganz so weit. „Das ist quasi so nebenher gelaufen“, beschreibt Fabian den Ablauf.
Und bei dieser Gelegenheit hat er auch gleich seine Schwester vorgeschlagen, die, mit ähnlich vielseitigem Talent gesegnet, ebenfalls keine Schwierigkeiten hatte, für die Rolle ausgewählt zu werden. Denn sie singen nicht nur, sondern stehen auch den ganzen Abend als Darsteller auf der Bühne, Fabian als Sohn einer wohlhabenden Vorortfamilie, Vivien als jüdisches Immigrantenkind. „Wir machen viel mehr als nur singen“, erläutert Fabian.
Und wenn man sie auf der Bühne sieht, ist diese Aussage wahrlich keine Übertreibung. Die beiden sind überall dabei und spielen einen für Kinder ungewöhnlich großen Part. Kein Wunder also, dass auch die Probenzeit für beide schon intensiv war. Am Nachmittag hätten sie sich gegenseitig den Text beigebracht und abgefragt und dann seien sie bei allen Abendproben dabei gewesen, für die End- und Generalprobe sogar länger als bis neun, stellen beide fest.
Mutter Zöller nickt. Selbstbewusstsein gehört wohl dazu, sich in diesem Alter vor rund 900 Leute zu stellen und drei Stunden lang zu unterhalten. Die beiden bewältigen das mit einer großen Natürlichkeit auf der Bühne, die viel Glaubwürdigkeit ausstrahlt. „Bei der Premiere war ich aber schon sehr aufgeregt“, fügt Vivien ehrlich hinzu. Fabian spielt nebenher Klavier, Vivien tanzt Ballett. Beide gehen mit ihren Eltern gerne klettern. Während Fabian sich sicher ist, dass er Arzt werden möchte – „am liebsten in der Unfallchirurgie“, ganz nach dem Vorbild der Mama – kann Vivien es sich durchaus vorstellen, die Schauspiel- und Singerei später mal beruflich auszubauen. Sie ist berührt von dem Schicksal der Immigranten, das sie auf der Bühne als Tochter des Juden Tateh erlebt. „Man kann sich sehr gut vorstellen, wie die Flüchtlinge sich fühlen“, ist ihr wichtig zu sagen. Am Ende geht es für sie in dem Stück zum Glück gut aus. Ihr Vater Tateh macht mit seinen bewegten Bildern ein Vermögen, Vivien bekommt ein wunderschönes Kleid – und „Hackenschuhe“, freut sie sich persönlich.
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.