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Viel mehr als rostige Reste

Ein junger Kaiser, der keinen Krieg führen möchte, und seine herrschsüchtige Mutter werden später umgebracht: Dr. Korana Deppmeyer (l.) hat das nB-Team mit Redaktionsleiterin Ingeborg Obi-Preuß (3.v.l.) mit auf eine faszinierende Zeitreise genommen. Foto. Daniela Nielsen

Niedersächsische Landesausstellung „Roms vergessener Feldzug“ endet am 2. März.

Von Marion Korth, 18.02.2014.

Braunschweig. Der Terminkalender ist voll, eine Führung nach der nächsten: Mehr als 55 000 Menschen haben die Landesausstellung „Roms vergessener Feldzug“ bereits gesehen. Dr. Heike Pöppelmann, Direktorin des Braunschweigischen Landesmuseums, ist zufrieden. Das nB-Team nach Führung und Fortbildung auch.

Auf der Zielgeraden, die Ausstellung endet nach einer sechswöchigen Verlängerung endgültig am 2. März, wartet das Museumsteam noch mit einem Höhepunkt auf: Die lange Römer-Nacht „Nightmare on Harzhorn“ ist nichts für empfindliche Gemüter. Aber auch so ist die museal aufgearbeitete Geschichte der Schlacht am Harzhorn ein einziger Krimi. Eigentlich nur eine Episode in der Geschichte der Römer und Germanen, vor allem eine, über die erst Gras und dann Wald gewachsen waren, bis Sondengänger verbotenerweise einige metallene Gegenstände aufspürten. Der vermeintliche Kerzenleuchter aus dem Mittelalter ist in Wahrheit ein Hufschuh römischer Machart. 2700 Funde vorwiegend aus Metall, überwiegend Militaria der Römer, wenige Stücke germanischen Ursprungs – das ist bisher die Bilanz der Grabungen. Dr. Korana Deppmeyer, Römerexpertin und Kuratorin, stellt die Frage, die die Historiker seither beschäftigte: „Was machen die Römer zu der Zeit im tiefsten Germanien?“ Die Varusschlacht, die für sie mit einer verheerenden Niederlage endete, scheint nicht den Schlusspunkt des Vordringens in germanisches Gebiet zu markieren.
Die Landesausstellung setzt Puzzlestein für Puzzlestein zusammen, ein rostiger Zelthering erzählt davon, wie die Legionäre in Mannschaftszelten untergebracht waren, winzige Kettenglieder fügen sich zur römischen Schutzkleidung. Mitgebrachte Mahlsteine lassen ahnen, was die Römer abends aßen.
Anhand von Münzen haben die Historiker die Schlacht auf das Jahr 235/236 nach Christus datiert, es mögen an die 6000 Soldaten gewesen sein, die die gewalttätigen Übergriffe der Germanen auf römische Siedlungen in der Wetterau/Hessen rächen wollten. „Mord und Totschlag waren damals an der Tagesordnung“, erläutert Deppmeyer. In Vitrinen liegen zertrümmerte Schädel.
Anhand von Geschossbolzen, von Fehlschüssen, die im Gelände lagen, wurde das Schlachtgeschehen am Harzhorn rekonstruiert: Wo standen Katapulte, wo lauerten die Germanen, die die Trosswagen angriffen, wie formierte sich das Römerheer? „Die Römer hatten gegen die Germanen alles aufgefahren, was sie zur Verfügung hatten“, ist Deppmeyer überzeugt. Wahrscheinlich ging es schlecht aus für die Germanen, die schließlich von drei Seiten in die Zange genommen wurden …
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