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USA-Einwanderern auf der Spur

Birte Hennig hat sich auf die Spuren deutscher Einwanderer in den USA begeben. Im Photomuseum zeigt die Braunschweiger Künstlerin jetzt ihre Ergebnisse. Foto: André Pause

Birte Hennig präsentiert Werkzyklus „October – Zwischen Steubenparade und Alpine Village“.

Von André Pause, 09.09.2015.

Braunschweig. „Hallo, ich bin Birte“, sagt Birte Hennig zur Begrüßung beim Pressetermin anlässlich ihrer Ausstellung „October – Zwischen Steubenparade und Alpine Village“ die von nun an bis zum 11. Oktober im Museum für Photographie zu sehen ist.

Besagte Grußformel wird die Braunschweiger Fotokünstlerin auf ihrer Reise quer durch die USA, die dem nun gezeigten Werkzyklus zugrunde liegt, mehr als einmal benutzt haben, hat sie unterwegs doch mit zahlreichen deutschen Einwanderern in Übersee gesprochen. Etwa 40 ausgewählte Personen zeigt Hennig allein in einer Multimediainstallation, lässt sie – die Sprach-Bild-Scheren sind beabsichtigt – zu Wort kommen, sie ihre persönliche Auswanderergeschichte erzählen. Einige Gesprächspartner hat die Fotografin bereits in ihrer knapp zweijährigen Vorbereitungszeit recherchiert, andere auf Empfehlung, spontan getroffen. Dass die Gespräche von unterschiedlicher Intensität waren, erscheint da logisch, schließlich ist nicht jeder bereit, sich schnell und rückhaltlos einem bis dato (nahezu) unbekannten Menschen zu öffnen.

Wer sich mit Birte Hennigs Arbeit in Gänze auseinandersetzt, bemerkt ihre Vorliebe für den Moment, das Situative, das Festhalten einer später womöglich unwiederbringlich verlorenen Szenerie. Dass sie sich nun sehr konzeptuell und planvoll auf die Spurensuche bei USA-Einwanderern begeben hat, erscheint nichtsdestotrotz in zweierlei Hinsicht schlüssig. Zum einen kehrt sie mit der jetzigen Schau ihren Arbeitszyklus „Baumholder“ aus dem Jahre 2012 um. Für diesen hatte sie den kleinen Ort bei Kaiserslautern inspiziert und dokumentiert, wie der sich an seine amerikanischen Einwanderer angepasst hat. Nun steht im Mittelpunkt, inwiefern Migranten das Leben in den USA verändert haben. Der zweite Beweggrund, einmal von Ost nach West durch das weite Land zu reisen, ist biografischer Natur: Großonkel Ferdy zog es 1926 nach Amerika. Zurückgekommen ist er nie. In St. Louis lernte er Emma kennen und zog mit ihr nach Los Angeles.

Bilder der beiden präsentiert Hennig als eine Art Ausgangs- und Endpunkt, und damit bereits zwei völlig unterschiedliche Umgangsformen mit der Situation in der Fremde. Während Ferdy, ein Automechaniker, sich dem Lebensstil mühelos anzupassen scheint, breitbeinig vor der Karre posiert, fremdelt Emma, die sich an einem Tiermodell, gewissermaßen einem Stück Heimat, festhält.
Die Spuren ihrer Vorfahren – die ehemaligen Wohnorte zeigt die Künstlerin in zwei Aufnahmen: karge, vermüllte und verlassene L.A.-Suburbia – hat Birte Hennig ebenso versucht zu ergründen wie die unterschiedlichsten Ausprägungen und Facetten der Identitätsbekundungen von deutschen Auswanderern in den USA.

Dieser dreiteilige Abschnitt im zweiten Torhaus mit den Serien zur German American Society Omaha, zur Steubenparade in New York sowie zur Vereinigung Erzgebirge spielt mit den in den USA vorherrschenden Deutschland-Klischees der Folklore und entlarvt dabei in Martin Parr’scher Süffisanz das Stille-Post-Syndrom, das schrittweise Verblassen der Erinnerungen an die Heimat, die in manchem Fall schon gar keine mehr ist. Da werden dann skurril anmutende Anknüpfungspunkte oder Schnittmengen gesucht: Kölner schlüpfen in „bayrische“ Trachten oder die Besitzer Deutscher Doggen kommen zusammen. Motto: Gerade noch mal einen gemeinsamen Nenner gefunden.

Im letzten, ästhetisch vielleicht ansprechendsten Teil der Ausstellung sind Umgebungs- und Landschaftsaufnahmen zu sehen, mit denen Hennig aufzeigt, auf welche Art und Weise beziehungsweise an welchen Stellen und Orten das Deutsche im amerikanischen Alltag Einzug gehalten hat.
Die Öffnungszeiten des Photomuseums sind dienstags bis freitags von 13 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr. Infos zu Führungen und zum Begleitprogramm sind unter www.photomuseum.de zu finden.
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