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Und keine Chance zur Flucht

„Baruchs Schweigen“ – eine wahre Geschichte – gefeierte Kammeroper im Kleinen Haus

Von Ingeborg Obi-Preuß, 28.02.2010

Braunschweig. Tief bewegend, quälend genau und fast unerträglich deutlich: „Baruchs Schweigen“ – Premiere im Kleinen Haus.

Die Komponistin Ella Milch-Sheriff und ihr Regisseur Ido Ricklin sind sich spürbar einig – die gleiche Direktheit für Bild und Ton. Burkhard Bauche und das Staatsorchester interpretieren umsichtig und genau: Eben noch perlen Kindheitsklänge wie von einer Spieluhr durch den Raum, kurz danach stöhnen Opfer unter der Folter.
Erschreckend offensiv und detailgenau auch das Spiel; kein Platz für eigene Interpretation – und keine Chance zur Flucht. Eine kluge Personenführung und die geschickt arrangierte Bühne (Neta Haker) verdichten die Stimmung, treiben die Handlung voran.
Die Zuschauer müssen jeden Schritt dieser Geschichte mit durchleiden. Der Geschichte von Baruch Milch, dem jungen jüdischen Arzt, der unter dem Terror der Nationalsozialisten Frau und Sohn verliert, eine Kindstötung aus Angst vor Entdeckung mitträgt und schließlich – später in Israel – die Gegenwart und seine „neue“ Familie mit seinem Schweigen vergiftet. Jan Zinkler zeigt mit fast schmerzhafter Bühnenpräsenz die Entwicklung des Baruch Milch vom jungen, verliebten Arzt zum gebrochenen Mann. Mit wunderbarem Bariton lässt er kurzes Glück und unsägliches Leid spüren.
Sarah Ferede ist als Tochter der treibende Motor der Handlung, sie gibt keine Ruhe, leidet unter der Kälte der Eltern, schlägt um sich, will verstehen, wirbelt wie das sprichwörtliche blühende Leben zwischen all den zerstörten Menschen und Geistern; schön und wild ihre Stimme, bebend vor Wut oder winselnd um etwas Zärtlichkeit.
Für das Ensemble scheint Distanz zur Geschichte nicht möglich, sie spielen wie im Rausch; dicht, fordernd, emotional: Moran Abouloff zum Weinen traurig mit ihrer Arie „Unter deine weisse Steren streckt zu dir mein weisse Hand“. Jacqueline Treichler gibt der Mutterfigur eine harte Gestalt mit einer passend harten Stimme. Perfekt ergänzen Susanna Pütters, Lucas Vanzelli, Selçuk Hakan Tirasoglu und die beiden Kinder, Noah Mensink und Stefan Peiner.
Wieder am 3., 5. und 18. März.
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