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Tiefe, graue Provinz

Hörfunkjournalist Tom Grote nimmt in „Wolfsburg!“ die VW-Stadt aufs Korn. Foto: oh

Tom Grote siedelt seinen ersten Roman in Wolfsburg an.

Von Birgit Leute, 21.05.2014.

Braunschweig. Von wegen. Eigentlich müsste es heißen „Wolfsburg!“. Denn genau hier hat Hörfunkjournalist Tom Grote seinen kürzlich erschienenen Debütroman angesiedelt. Herausgekommen ist das skurrile Porträt einer Stadt, in der sich der Berliner Jan erst einmal zurechtfinden muss.

Der hat’s tatsächlich nicht leicht. Der Liebe wegen verlässt der Werbetexter schweren Herzens die quirlige Bundesmetropole und zieht in die VW-Stadt, die ja eigentlich nur „ein Betriebsgelände ist“, so ein herzloser Freund.

Der erste Zusammenstoß lässt dann auch Schlimmes ahnen: Wolfsburg aus Jans Sicht, das sind: hässliche Neubauten, mordlustige Touareg-Fahrer, geleckte, menschenleere Reihenhaussiedlungen, Nachbarn, die sorgsam darauf achten, dass ihr Grundstück nicht zugeparkt wird, und unfreundliche, bellende Stadtangestellte. Es reicht ein halbes Jahr, und Jan verfällt in eine tiefe Depression. Ist Berlin am Ende doch schöner, oder kann Line, seine patente Freundin, ihn halten?

Tom Grote, der selber eine Zeit lang in der VW-Stadt lebte, hat mit „Wolfsburg!“ einen typischen Provinzroman geschrieben, in dem kein Klischee ausgelassen wird. Mit spitzer Feder, allerdings auch mit ein paar Längen, wird das Kleinstädtische, Spießbürgerliche aufs Korn genommen, von dem es in Wolfsburg anscheinend mehr gibt als in anderen Städten.

Wer das Genre mag, der wird sich über den einsamen Feuerwehrmann Steffen, Tante Gilda und die brummige Dame vom Einwohnermeldeamt sicher amüsieren. Dabei vergisst Grote aber auch die leisen, nachdenklichen Töne nicht. Ob Wolfsburg wirklich so grau in grau ist – das muss jeder selbst entscheiden. Ein Tipp an die Wolfsburger: Nehmen Sie das Buch nicht zu persönlich.

Tom Grote: Wolfsburg! Ein Liebesroman. Knaus Verlag 2014, 14,99 Euro.
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