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„Theater ist wie Alpinskifahren“

Isabelle Huppert beim 25. Filmfest mit der „Europa“ geehrt – Insgesamt 25 000 Zuschauer.

Von André Pause, 16.11.11

Braunschweig. Sonntag, letzter Tag des 25. Braunschweiger Filmfestes, 16.41 Uhr – die Miene des Sorgenfalte tragenden Pressesprechers Frank Terhorst erhellt sich ein wenig: Madame Huppert sei jetzt wirklich gleich da, im Grunde eine Sache von Minuten.

Beginn der für 16.15 Uhr anberaumten Pressekonferenz mit der französischen Starschauspielerin Isabelle Huppert ist schließlich um kurz vor Fünf. Auch die Fotografen und Kameraleute haben Zeit, dem Frage-und-Antwort-Spiel zu lauschen, denn die kleine drahtige Frau möchte vorerst weder fotografiert noch gefilmt werden. Dabei sieht die diesjährige „Europa“-Preisträgerin durchaus respektabel, für ihre 58 Lenze eigentlich sogar recht hübsch, aus: lange dunkelblonde Haare, schwarzes Top, kleinkariertes Sakko und ein mildes Lächeln hier und da.
Der Pressetermin selbst wirkt für die Aktrice aus Paris eher wie eine Pflichtübung. Grundsätzlich habe sie Lust mit jedem großen Regisseur zu arbeiten. Von Unterschieden zwischen europäischen und amerikanischen Produktionen möchte sie nichts wissen: „Es gibt für mich keine rein amerikanische oder europäische Filmsprache, nur gute oder schlechte Filme.“ Nach Hollywood würde sie dennoch nicht gehen, weil sie nicht wüsste, was sie dort solle. Bei der Auswahl ihrer Filme sei der Regisseur entscheidend, erst dann schaue sie auf das Drehbuch und die Rolle, sie selbst könne sich einen Wechsel ins Regiefach freilich nicht vorstellen. Dann erzählt Madame Huppert noch von eigenen Filmen, die sie als persönliche Wendepunkte bezeichnet und verrät, dass Theaterspielen wie Alpinskifahren, Film dagegen wie Spazierengehen sei.
Nach einer runden halben Stunde sind zwar nicht alle Fragen beantwortet, aber alle Fragen gefragt – die Diva darf zurück ins Hotel.
Kurze Zeit später folgt dann das Finale der sechs Filmfesttage. RTL-Moderatorin Ulrike von der Groeben führt durch den Abend der Ehrungen und vielen Worte. Den Publikumspreis „Heinrich“ gibt es für die spanische Ökokomödie „What are bears for?“, der Kurzfilmmusikpreis „Leo“ geht an den niederländischen Film „The Origin of Creatures“, und die französische Produktion „Ne nous soumets pas à la tentation“ erhält den deutsch-französischen Jugendpreis „Kinema“ bevor Isabelle Huppert die mit 10 000 Euro dotierte „Europa“ verliehen bekommt. Als die Schauspielerin beim Finale mit all den anderen Menschen auf der Bühne des Großen Hauses steht, wird eines klar: Die Frau wirkt. Ihre Aura überstrahlt alles und jeden. Das hätte während des vorausgehenden Pressegespräches im Louis-Spohr-Saal in dieser Form wohl kaum jemand für möglich gehalten.
Rund 25 000 Zuschauern lockte das Jubiläumsfilmfest in die Kinos. „Das entspricht in etwa einer 70-prozentigen Auslastung“, sagt der zufriedene Filmfestleiter Volker Kufahl, Worauf Ulrike von der Groeben den Gästen der Abschlussveranstaltung zuruft: „Und jetzt gehen wir feiern.“
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