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Talent im Überfluss

Ein außergewöhnliches Konzert in der Halle 11 im Volkswagenwerk in Wolfsburg: Soli Deo Gloria präsentierte den chinesischen Starpianisten Lang Lang. Foto: Andreas Greiner-Napp

Soli Deo Gloria präsentiert Lang Lang im Volkswagenwerk.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 01.04.2014.

Wolfsburg. Was für ein Auftritt: Lang Lang vor rund 2800 Besuchern in der Halle 11 im Volkswagenwerk. Die Menschen lieben ihn, die Kamera auch.

Mozart und Chopin hat er sich ausgesucht, „eher leichte Kost“ flüstern sich kritische Geister neben mir zu. Sie bezweifeln, ob Lang Lang wirklich zu den Weltklassepianisten gehört. „Der wurde doch gepuscht“, höre ich, und: „Die meisten Leute hier sind doch gar keine Klassikkenner, die sind doch nur hier, weil es ein Riesenevent ist.“
Tja, so kann das gehen, wenn man Publikumsliebling ist. Und das ist Lang Lang auf jeden Fall. Und ganz sicher ist er ein atemberaubender Pianist. Die frühen Mozartsonaten gehen zu Herzen, filigran und leicht die Musik, einfach und bezaubernd. Lyrisch kraftvoll dagegen die Balladen von Chopin. Und Lang Lang am Klavier macht daraus ein einzigartiges Erlebnis.
Es riecht nach Maschinenöl – in der Halle 11 wird normalerweise gearbeitet – eine runde Bühne und effektvoll gesetzte Lichter geben dem Konzert eine extravagante Atmosphäre. Ein Kamerateam fängt jede Regung des Starpianisten ein und überträgt sie auf große Leinwände. Die Augen der Menschen hängen wie gebannt an dem „chinesischen Wunderkind“, verfolgen jede Regung.
Mit seinen Gesten scheint er gedankenversunken Töne aus der Luft zu greifen, im Gesicht ein scheues Lächeln, den Blick wie nach innen gerichtet. „Ob das alles echt ist?“, fragen die kritischen Geister neben mir, „das ist doch bestimmt inszeniert.“
Vielleicht. Und wenn? Auf jeden Fall ist es extrem eindrucksvoll und sehr gut. Und es wäre ja auch wirklich unwahrscheinlich, dass der Mann sich keine Gedanken über seine optische Wirkung macht. Immerhin ist er der Einzige auf der Bühne, die Menschen schauen ihm mindestens zwei Stunden lang ununterbrochen ins Gesicht.
Da ist eine gewisse Bühnenpräsenz nur hilfreich. Und die hat Lang Lang im Überfluss. Er spielt umwerfend und virtuos, er sieht gut aus und er kann sich auch noch perfekt inszenieren – die Zutaten für einen echten Weltstar. Das Publikum sieht das genauso. Applaus, Applaus, Applaus.
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