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"Superheld" auf dem Sockel

Olaf Wilde (l.) vom Landesmuseum hängt dem reiterstandbild von Herzog Friedrich Wilhelm vor dem Schloss einen roten Umhang um. Foto: T.A.
 
Der renovierte Sarg von Herzog Friedrich Wilhelm kann ab sofort wieder in der Krypta des Doms besichtigt werden. Dombaustiftung, Herzoglich Braunschweigisches Feldcorps und die Richard Borek Stiftungen finanzierten die aufwendigen Arbeiten. Gestern wurde der Sarg im Anschluss an die Fünf-Minuten-Andacht, in der Dompredigerin Cornelia Götz an den 200. Todestag des „Schwarzen Herzogs“ erinnerte, der Öffentlichkeit bei einer Führung vorgestellt. Foto: Borek Stiftung

Gestern vor 200 Jahren fiel Herzog Friedrich Wilhelm im Kampf gegen Napoleon.

Von Martina Jurk, 17.06.2015.

Witzig, originell und doch respektvoll, cool, komisch, ahnungslos, neugierig – das waren die Reaktionen von Beteiligten und Passanten, als gestern dem Reiterdenkmal Friedrich Wilhelms auf dem Schlossplatz ein roter Umhang verpasst wurde – initiiert vom Landesmuseum, hier fachmännisch ausgeführt von Metallrestaurator Olaf Wilde (l.). Bis morgen bleibt der Schwarze Herzog „behängt“.

Friedrich Wilhelm als Superheld mit rotem Umhang auf dem Schlossplatz? Für ernsthafte Historiker möglicherweise eine Verunglimpfung der Person des Herzogs, der vor genau 200 Jahren auf dem Schlachtfeld von Quatre-Bras zwei Tage vor der Schlacht von Waterloo fiel. Damals wurde der als „Schwarzer Herzog“ in die Geschichte eingegangene Braunschweigische Regent als Held verehrt. Und heute?

„Er ist in Vergessenheit geraten“, sagte Dr. Heike Pöppelmann, Direktorin des Braunschweigischen Landesmuseums, in dem sich aktuell die Sonderausstellung „Wann ist ein Held ein Held? Der Schwarze Herzog 1815/2015“ kritisch mit dem Thema auseinandersetzt.

Die Idee, das Reiterstandbild Friedrich Wilhelms auf dem Schlossplatz mit einem roten Umhang zu versehen, hatten die Mitarbeiterinnen der Öffentlichkeitsarbeit des Museums. „Ich war sofort dafür. Es ist eine witzige Aktion“, so Pöppelmann. Der Umhang sorge für Aufmerksamkeit im Stadtbild. „Es ist eine Art und Weise, wie wir mit Erinnerungskultur umgehen. Ein historisches Thema muss Emotionen auslösen“, ist die Museumsdirektorin überzeugt.

Klaus Hornung, Leiter des städtischen Referats Stadtbild und Denkmalpflege, findet die Idee originell und dabei respektvoll im Umgang mit dem Herzog. „Die Umsetzung war verwaltungstechnisch ein Selbstläufer“, sagte er. „Die Stadt hat super mitgespielt“, bestätigte Pöppelmann.

So stieg Metallrestaurator Olaf Wilde gestern Morgen kurz nach 8 Uhr auf das Reiterdenkmal und befestigte den Umhang – eine drei mal fünf Meter große Decke aus Kunststoff. Eine handelsübliche Bauzaunbespannung aus dem Baumarkt. Einige Passanten schauten im Vorbeigehen auf dem Weg zur Arbeit ahnungslos, aber neugierig auf das Treiben. Bis morgen bleibt der Herzog „behängt“. Denn am 18. Juni 1815 wurde Napoleon in der Schlacht von Waterloo geschlagen. Friedrich Wilhelm, der an der Seite der europäischen Großmächte mit seinen braunschweigischen Truppen in den Kampf gegen Bonaparte gezogen war, erlebte diesen Triumph leider nicht mehr.


Umfrage: Warum hat der Herzog einen roten Umhang um?

Herbert Wrobel (77): „Ich habe bis eben nicht gewusst, wer das ist. Ich werde mich jetzt aber mit dieser Geschichte beschäftigen.“

Vanessa Maue (18) aus Wolfenbüttel: „Es könnte ein Geburtstag oder ein Jahrestag sein. Die Aktion finde ich cool.“

Brenda Sanchez (16) aus Mexiko: „Ich bin zurzeit als Austauschschülerin in Braunschweig. Meine Schwester Johana (14) besucht mich, und wir fahren zusammen zurück nach Mexiko. Ich habe keine Vorstellung, was der Umhang bedeutet. Er sieht komisch an einem Denkmal aus.“
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1 Kommentar
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Karlheinz Räke aus Lehndorf-Watenbüttel | 16.06.2015 | 20:33  
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