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Süchtig nach Farbe und Pinsel

Jakob-Kemenate zeigt große Retrospektive des Künstlers Otmar Alt – Die nB sprach mit ihm.

Von Birgit Leute, 12.09.2012.


Braunschweig. Bockwurst mag er. Und Bouletten. Otmar Alt – seit fast 50 Jahren für seine farbigen Puzzle-Bilder international bekannt – ist immer auf dem Teppich geblieben. Vom kommenden Sonntag an bis zum 4. November sind Bilder, Skulpturen und Design vom ihm in Braunschweig zu sehen. Die nB hat mit dem Künstler gesprochen.

Ausgebeulte Hosen, kariertes Hemd und natürlich die Baseballmütze tief in die Stirn gezogen – Otmar Alt ist längst schon eine eigene Marke. Im schillernden Kunstbetrieb gehört er zu den zurückhaltenden Vertretern: Ein bisschen schnoddrig, ein bisschen eigenbrötlerisch, einer, „der lieber Hausmannskost als Edelküche mag“.
Dabei zählt Alt zu den großen Namen der Kunstszene. Hochgekommen mit der Pop-Art-Welle in den 60er Jahren ist der gebürtige Wernigeroder gefragt wie eh und je: Städte wie Münster, Dortmund und kürzlich Hof haben Skulpturen von ihm aufgestellt, VW ließ einen Golf und den Beetle von ihm designen, der Braunschweiger Klavierbauer Schimmel einen Flügel. Alt gestaltete Telefonkarten, Geschirr, einen Bobby-Car, Bühnenbilder und Tapeten. Sein Markenzeichen seit fast 50 Jahren: Leuchtend farbige, oft collagenartige angelegte Bilder und Skulpturen.
„Ich freue mich, in meinem Alter noch so angenommen zu werden“, sagt der 72-Jährige schlicht, und sieht den Erfolg keineswegs als selbstverständlich an, „da kommt eine Menge Glück hinzu.“ Kunst – das sei vor allem eins: Arbeit und ein ständiges In-sich-gehen. „Als Künstler musst du dein eigenes Vokabular finden und es auch aushalten können, wenn andere dich kritisieren“, sagt Alt.
Kritik an seinem Stil musste auch er einstecken. Seine Bilder seien zu bunt, zu kindlich. „Eine Playmobilfigur“ mokierten sich erst kürzlich Hofer Bürger über seine Plastik vor dem Bahnhof. Alt steht darüber. „Künstler waren immer schon mit einem Bein im Gefängnis“, beschreibt er den manchmal anstrengenden Spagat zwischen künstlerischem Anspruch und den Wünschen der Auftraggeber.
Die Farbigkeit sei seine Botschaft, „auf den ersten Blick optimistisch, fröhlich, auf den zweiten hintersinnig, ironisch und auch mal ernst.“ Bestes Beispiel: „Das Traumfenster“ – ein Bild mit dem er den frühen Tod seines Sohnes Fabian verarbeitete. „Es gab Zeiten, in denen manch einer sagte: jetzt ist Alt auf die Schnauze gefallen“, erinnert sich der Künstler an die schwere Zeit, in der nicht nur der Sohn, sondern kurze Zeit später auch die erste Frau starb.
Doch: Alt machte weiter. Probierte mit unbändiger Neugier immer wieder neue Formen aus mit fließenden Übergang zum Design.
„Ich bin süchtig“, sagt er schlicht. Ein Leben neben der Kunst? Unvorstellbar. „Ein Atelier hätte etwas Magisches. Meine schönsten Termine sind die Begegnungen mit einem blauen oder einem gelben Pinsel.“

SERVICE

• Vom 15. September bis zum 4. November sind rund 120 Werke Otmar Alts in der Jakob-Kemenate, dem Amtsgericht und der Martini-Kirche sowie an 20 dezentralen Orten zu sehen.

• Mit der Ausstellung „Farbwelten“ setzt die Jakob-Kemenate ihre 2010 begonnene Reihe über künstlerische Doppel- und Mehrfachbegabungen fort. Gezeigt wird eine Retrospektive auf fast 50 Jahre Schaffen, aber auch die neuesten Werke, die noch nie in der Öffentlichkeit zu sehen waren.

• Um die Ausstellung herum gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm unter anderem mit Führungen, Lesungen, einer Kochaktion und einem Konzert auf dem von Otmar Alt gestalteten Schimmel-Flügel.

•Ausführliche Informationen gibt es Internet unter www.jakob-kemenate.de.
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