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Stress, aber Heimspiel in Zagreb

Staatstheater-Inszenierung von „Lebensansichten zweier Hunde“ im Z/K/M-Theater gefeiert.

Von André Pause, 19.06.2011

Braunschweig. Viele Wege führen – nein, nicht nach Rom – sondern nach Zagreb. Diese Erfahrung machte die Crew vom Staatstheater auf ihrer Gastspielreise in die kroatische Hauptstadt.

Im Rahmen des bis zum Ende der kommenden Spielzeit laufenden Kooperationsprojektes „Achtung: Pioniere!“ mit dem Z/K/M/-Theater wurde Meng Jinghuis im Kleinen Haus erfolgreiche Stück „Lebensansichten zweier Hunde“ aufgeführt. Ein Gegenbesuch, die preisgekrönte Produktion „Zagreb Pentagram“ war bereits im vergangenen Jahr zu Gast in Braunschweig.
Während die Reise den künstlerischen Leiter Axel Preuss über Berlin und Stuttgart in die kroatische Hauptstadt führte, mussten die Schauspieler David Kosel und Tobias Beyer einen Umweg über Paris in Kauf nehmen. Besonders heftig hat es aber die auf gleicher Route fliegenden Techniker erwischt, die den Anschlussflug verpasst hatten und gezwungen waren, acht Stunden auf den nächsten zu warten. Folge: Der Bühnen-Aufbau musste auf den nächsten Tag verschoben werden. Dass alles noch reibungslos funktioniert hat, sei dem Umstand zu verdanken, dass sich die Techniker durch das Braunschweig-Gastspiel untereinander schon kannten, so Preuss. „Wir brauchen einfach einen Theaterjet“, scherzt Kosel.
Unter den gegebenen Umständen war der Zeitplan knapp. Anreise, Ankunft und Abendessen am ersten Tag. Am darauffolgenden Bühnenprobe, Soundcheck, die komplette musikalische Probe und am Abend die Aufführung. „Danach war Abbau für die Einen und eine kleine Begrüßung für die Anderen. Anschließend sind wir noch etwas trinken gegangen und am nächsten Morgen auch schon wieder auf dem Weg zum Flughafen gewesen“, erzählt Tobias Beyer.
Dennoch – das Gastspiel war für das Team aus Braunschweig ein eindrucksvolles und spannendes Erlebnis. Sie wurden euphorisch empfangen, die Inszenierung von Marc Becker geradezu umjubelt. „Es war erstaunlich. Wir wussten ja nicht, wie viel die Zuschauer verstehen würden, wie schnell sie mit den Übertiteln mitkommen würden. Das Stück ist ja auch sehr schnell gespielt. Wir haben eigentlich eher erwartet, dass wesentlich weniger Reaktionen kommen würden, als hier in Braunschweig. Es war aber fast das Gegenteil der Fall. Wir hatten es mit einem sehr wachen, sehr intelligenten Publikum zu tun, von dem schätzungsweise die Hälfte Deutsch verstand“, so Beyer. „Ich hatte auch das Gefühl, dass die sozialistische Vergangenheit eine Rolle spielt. Ein Volk, das im Grunde in einer anderen Form von Unterdrückung gelebt hat und dieses Schicksal der chinesischen Wanderarbeiter mehr nachvollziehen oder teilen kann. Die haben an Stellen gelacht, an denen hier nie gelacht wurde. Ich habe Sachen selber nochmal anders verstanden durch die Publikumsreaktionen. “
Innerhalb der Kooperation entstehen nun zwei Auftragswerke zum Thema Raumfahrt und Luftfahrttechnik, die beim Festival Theaterformen 2012 in Braunschweig uraufgeführt werden. Autorinnen dieser Arbeiten sind Juli Zeh (im Team mit der Autorin Charlotte Roos) und Ivana Sajko. Die Uraufführungen werden von Ivica Buljan (Zagreb) und Daniela Löffner (Braunschweig) inszeniert.
„Ich bin dankbar, dass das Projekt „Achtung: Pioniere!“ keine Eintagsfliege ist. Es wird einen fortlaufenden Prozess von Begegnungen auf allen Ebenen geben. Sehnsucht und Hoffnung ist, dass wir es hinbekommen, dass deutsche und kroatische Schauspieler zusammen Theater spielen können“, betont Axel Preuss.
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