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Still, aber mit scharfem Blick

Ein genauer Betrachter seines Gegenübers: Günter Affeldt. oh

Zum Tod des Malers Günter Affeldt zeigt die Hagen-Kemenate Werke.

Von Birgit Wiefel, 15.07.2017.

Braunschweig. Im turbulenten Kunstbetrieb gehörte er zu den stillen Vertretern. Vor kurzem ist der Maler Günter Affeldt im Alter von 92 Jahren gestorben. Die Stiftung Prüsse hatte dem Braunschweiger schon zu Lebzeiten eine ständige Ausstellung in der Kemenate Hagenbrücke eingerichtet. „Seid ihr sicher, dass ihr das wirklich wollt?“, fragte der 90-Jährige damals. Typisch für einen Menschen, der sich nie produziert hat.

Liebe zu Kunst und Bach


Vor den Mauern der Kemenate rauscht der Feierabend-Verkehr. Doch Stifter und Sammler Jochen Prüsse sitzt gedankenverloren im Innenhof und lässt sich sechzig Jahre zurücktreiben – in eine Zeit, in der er Günter Affeldt kennenlernte. „Ich war sieben oder acht Jahre alt, Günter Mitte zwanzig und Kunststudent. Seine Kultiviertheit – er hörte mit Vorliebe Bach-Musik – hat mich damals tief beeindruckt“, sagt Prüsse.

Über drei Dekaden gehörten Günter Affelds Bilder zum festen Bestandteil der BBK-Ausstellungen. Als Student der wieder eröffneten Braunschweiger Kunstwerkschule und später der staatlichen Hochschule in Berlin spürte er nach dem Krieg den Stilwechsel in der Kunst und wandte sich dem Expressionismus zu. 1957 verlieh die Stadt dem Mann mit dem schmalen Gesicht und dem nachdenklichen Blick den
Rudolf-Wilke-Preis.

Dabei hatten es dem „Augenmenschen“ Affeldt neben der Natur ganz besonders Porträts angetan. Immer wieder zeichnet Affeldt, der auch als Kunsterzieher arbeitete, Menschen – vom gut situierten Bürger bis zum Bewohner eines Altenheims. „Er hatte ein einzigartiges Talent, das Wesentliche seines Gegenübers einzufangen – auch wenn der zuerst von dem Ergebnis irritiert war“, sagt Prüsse. Typisch für die Bilder sind die strenge Komposition und die gedeckten Farben.

Rückzug von der Bühne


Als der Trend Richtung Abstrakte ging, machte Affeldt nicht mit: Er blieb dem Gegenständlichen treu. Ab Mitte der 70er Jahre taucht er immer weniger in der Öffentlichkeit auf, zog sich auch aus dem Kunst- und Ausstellungsbetrieb zurück und geriet fast in Vergessenheit. „Günter Affeldt hat zu Lebzeiten kein einziges Bild selbst verkauft. Die Käufer – unter anderem die Stadt – sind vielmehr an ihn herangetreten“, sagt Prüsse über einen Menschen, für den Kunst mit Leidenschaft und nicht mit Geld zu tun hatte und schon gar kein „Spekulationsobjekt“ war.

Unter dem Titel „Mondstill und Traumblau“ ist eine Retrospektive mit Landschaftsbildern und Porträts in der Hagen-Kemenate zu sehen. Anfang nächsten Jahres soll die Ausstellung erweitert werden. Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 11 bis 17 Uhr, sonntags 12 bis 17 Uhr.
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