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Sticheln auf hohem Niveau

Denis Scheck und Thomas Hettche sprachen am Donnerstag im Roten Saal über Robert Musil.

Von Christoph Matthies, 16.06.2013.


Braunschweig. Unter dem Motto „Das kann ja heiter werden!“ unterhielten sich der Literaturkritiker Denis Scheck und Schriftsteller Thomas Hettche am Donnerstag über Robert Musils Romanfragment „Der Mann ohne Eigenschaften“. Das belesene Duo enttäuschte die Besucher des Roten Saals nicht: Heiter und erhellend war’s!

Lautes Lachen hallte durch das sehr gut gefüllte Auditorium, als Thomas Hettche das Publikum vor seinem Gegenüber warnte: „Hören sie nicht auf diesen Mann!“ Zuvor hatte Scheck, der humorbegabte Kritiker und Übersetzer, bekannt vor allem durch die ARD-Sendung „Druckfrisch“, Robert Musils Hauptwerk mit deutlichem Augenzwinkern einer fragwürdigen Charakterisierung unterzogen. „Ein Roman, dagegen verblasst jede Soap Opera, mit gefälschten Testamenten und Geschwisterliebe“, so fasste Scheck den „Mann ohne Eigenschaften“ schelmisch zusammen.
Es war Unterhaltung auf höchstem Niveau, was der Kritiker und der Romanautor in der Auftaktveranstaltung der Reihe „Die Macht der Wörter – Literatur 1913“ boten. Zeitlose Literatur, zeitgemäß präsentiert. Munter schweiften die beiden Musil-Aficionados durch Biografie und Werk des zu Lebzeiten fast vergessenen Österreichers, tasteten sich durch die Motive und Sujets seines unvollendeten Jahrhundertromans, der im städtischen Themenjahr 1913 ansetzt.
Wer das opulente Werk Musils nicht selbst inhaliert hatte, bekam durch Hettches Leseprobe einen Eindruck von Stil und Tonlage des 1942 verstorbenen Schriftstellers: Überaus reich an Metaphern und Vergleichen, klug und unheimlich präzise, dabei aber immer wieder voll intelligenter Komik. Und insofern dem Moderations- und Interviewstil Schecks nicht unähnlich, der von Hettches Schlagfertigkeit dennoch überrascht wurde: „Die meisten Romane werden nicht für Menschen geschrieben, die sie gegen Geld lesen, Herr Scheck“, bemerkte der Autor scharfzüngig. Da war selbst der eloquente Adressat kurz baff – nur um sich später, ebenfalls mit einer kleinen Gemeinheit zum Thema Broterwerb, zu revanchieren: „Wir haben hinten übrigens eine kleine Baseballmütze, falls Sie etwas spenden wollen für Herrn Hettche.“
Fortgesetzt wird die vierteilige Gesprächsreihe mit Denis Scheck, veranstaltet vom Literaturzentrum Raabe-Haus, bereits am Montag (19.30 Uhr). Dann unterhält sich der Kritiker mit dem Büchner-Preisträger Martin Mosebach über Thomas Mann.
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