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Statt Sonne nur dicke Wolken

Musikfestival „Get the Sun“ droht an der Frage des Veranstaltungsortes zu scheitern

Von Marion Korth


Braunschweig. „Wir sind enttäuscht.“ Statt Sonnenschein nun eher Untergangsstimmung: Wie es aussieht, fällt das Musikfestival „Get the Sun“ in diesem Jahr ganz oder ziemlich klein aus.

Die Stadt hat dem ehrenamtlichen Veranstalterteam Philipp Kuhrmann (22), Thilo Bassen (25), Steffen Tatz (24) und Benjamin Georgi (28) eine Absage erteilt. Das dreitägige „Umsonst- und-draußen-Festival“ im September, zu dem zuletzt rund 3000 Besucher gekommen waren, darf nicht wie in den beiden Vorjahren im Prinzenpark stattfinden. Der angebotene Alternativstandort kommt für die vier jungen Musiker, die die lokalen Bands für das Freiluft-Konzert stets ohne Gage zusammengetrommelt haben, nicht in Frage. Der Parkplatz nahe des Kennelbades wäre aus städtischer Sicht geeignet. „Dieser Platz ist als Homosexuellentreffpunkt und als Treffpunkt der Drogen- und Prostituiertenszene bekannt“, sagt Philipp Kuhrmann. „Get the Sun“ sei aber als Familienfestival, zu dem sehr junge, aber auch ältere Zuhörer kommen, gedacht. Der 22-Jährige: „Das passt nicht zusammen.“
Nachdem es im vergangenen Jahr „massive Beschwerden der Anwohner“ (Aussage Stadtverwaltung) gegeben habe, war auch für Kuhrmann und Kollegen klar, dass in diesem Jahr nachgebessert werden muss. „Wir wussten, vieles spricht dagegen, aber uns wurde schon Hoffnung gemacht, dass es doch im Prinzenpark geht, wenn wir die Auflagen erfüllen“, erläutert Kuhrmann. Das heißt, ein professioneller Soundtechniker sorgt dafür, dass nur der Bühnenbereich und nicht die Nachbarschaft beschallt wird, und ein Müllplan regelt die Aufstellung von Containern und die Aufräumarbeiten nach dem Festival. Bei der Organisation sei dies berücksichtigt worden, weshalb die Absage jetzt überraschend gekommen sei.
Die Stadt hält dagegen, dass sie dem Veranstalter sogleich nach der Antragstellung im Mai und in weiteren persönlichen Gesprächen signalisiert habe, dass der Prinz-Albrecht-Park für eine dreitägige Großveranstaltung, so wie geplant, nicht geeignet sei. Zudem sei die historische Parkanlage von 1895 in den vergangenen Jahren aufwendig saniert worden und liege in einem Landschaftsschutzgebiet. Der Park habe in den vergangenen beiden Jahren unter der Besuchermenge gelitten. Außerdem gebe es zu wenig Parkplätze am Prinzenpark.
Das Veranstalterteam hat seinerseits einen Vorschlag gemacht, wo das Festival gut, nämlich innenstadtnah und im Grünen, untergebracht wäre – im Bürgerpark. „Aber uns hat man gesagt, dass dort wegen des geplanten Hotelneubaus keine solche Veranstaltung stattfinden soll“, sagt Philipp Kuhrmann der nB. Von der Verwaltung kam jetzt auf Nachfrage ein anderes Argument. Der Bürgerpark scheide als Standort aus, da dort zeitgleich die Veranstaltung „Kultur im Zelt“ stattfindet. „Warum hat man uns dann nicht einen Ersatztermin genannt?“, fragt sich Kuhrmann.
Eine Einigung scheint nicht in Sicht. „Wir wollen weitermachen, aber es wird schwer, wenn die Stadt ihre Grünflächen nicht hergibt“, sagt er. In Braunschweig hätten nur Veranstaltungen, die eine Lobby haben, eine Chance. „Aber uns gibt man nicht einmal die Möglichkeit, das Festival zu etablieren.“ Wenn es in diesem Jahr doch noch ein Festival geben wird, dann in viel kleinerem Rahmen und mit anderem Namen. Und hinter dem Veranstaltungsort steht ein dickes Fragezeichen.
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