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Starkes Kammerspiel zum Finale

Fanatisch aus Verzweiflung: Robespierre (Sven Hönig). Foto: Volker Beinhorn

Martin Schulze inszeniert „Dantons Tod“ im Großen Haus des Staatstheaters mit viel Schwere.

Von André Pause, 10.10.2015.

Braunschweig. Dass Humanismus eine leichte Fingerübung ist, wird ernsthaft niemand behaupten wollen.

Vielleicht ist es daher gar nicht so schlecht, wenn Mensch von Zeit zu Zeit daran erinnert wird, dass er den Nachbarn – woher der auch kommen mag – nicht tritt, dass demokratisches Gemeinwesen mitnichten eine gottgegebene oder sonst wie selbstverständliche Angelegenheit ist, sondern vielfach schwer und blutig errungen wurde.

„Dantons Tod“, Georg Büchners von Zweifeln und Gewissenskonflikten der maßgeblichen Figuren getragene Stück zur Französischen Revolution taugt zweifelsfrei als Mahnmal. Die Inszenierung von Martin Schulze für das Staatstheater Braunschweig, die jetzt im Großen Haus Premiere feierte, spart allerdings über weite Strecken nicht mit pädagogischem Tüll. Jetzt kann man natürlich sagen: Brav, soll ja auch noch schön in der Oberstufe durchgenommen werden der Stoff. Unterm Strich jedoch wirkt die Angelegenheit dadurch vor allem im ersten Teil etwas fade und langatmig.
Schulzes dramaturgische Klammer ist – so viel Freispiel mutet er der durchaus fordernden literarischen Vorlage dann doch zu – „Die Erklärung der Rechte des Menschen und des Bürgers“. In Majuskeln auf den Eisernen Vorhang geschrieben, schweben Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit die drei Stückstunden gewissermaßen über der Szenerie.

Auf der Bühne frisst die Revolution derweil ihre Kinder. Über den weiteren Weg, wie die Umwälzung der gesellschaftlichen Verhältnisse im Frankreich nach der Nationalversammlung geschafft werden soll, ist man sich zumindest in einem Punkt uneins: Die Tugend benötige die Kombination mit dem Schrecken, findet das Lager um Robespierre, den Sven Hönig als zwischen Danton und Volk wundgescheuerten, zusehends verzweifelter agierenden Fanatiker gibt. Die tolerante Republik und ein Ende des Blutvergießens fordern dagegen die gemäßigten Mannen um Danton, der von Hans-Werner Leupelt mit auffallend starker Betonung der fatalistischen Note gespielt wird.
Sind die Wechsel zwischen den Vorträgen einzelner Charaktere und der chorischen Präsenz von Volkes Stimme lange Zeit etwas gleichförmig und voraussehbar, spitzt Martin Schulze das Finale gekonnt zu. Der grobianische Todes-Diskurs Dantons mit seinen Vertrauten (Tobias Beyer, Götz von Ooyen, Oliver Simon) im Gefangenentrakt mündet in „Mäh-mäh-mäh“-Rufen und wummernden Beats, die die Angst vor dem nahenden Ende doch nicht verdecken können. Hier sind wir bei starkem Kammerspiel – eben, weil Schulze das geschlossen starke Ensemble endlich mal von der Leine, sprich spielen und nicht nur schwer rezitieren lässt. Starker Beifall.
Weitere Infos finden Sie unter Staatstheater-braunschweig.de .
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