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Stark, schwarz, schön: Der Panther im Sprung

Bis 1963 vereinten Panther-Räder made in Braunschweig Solidität mit Schönheit, wie dieses Kettenrad zeigt. Foto: T. A.
 
Neben dem Pressehaus brüllte früher der Panther. Auf der Bahn im Vordergrund waren Probefahrten möglich.

Geschichte, die bewegt: Ausstellung „Panther und Löwe“ im Altstadtrathaus zeigt die Anfänge der Fahrradstadt Braunschweig.

Von Marion Korth; 14. Oktober 2014.

Braunschweig. Wann genau das Fahrrad eigentlich erfunden worden ist, weiß niemand so genau, dass Braunschweig aber eine Fahrradstadt war, das steht fest. Die Ausstellung „Panther und Löwe“ im Altstadtrathaus wirft den Blick zurück auf ein bewegtes Stück Industrie- und Stadtgeschichte.

Vom hölzernen Laufrad, das Karl Freiherr von Drais 1817 entwickelte und das der Braunschweiger Stellmacher Theo Malchus originalgetreu für die Ausstellung nachgebaut hat, war es noch ein langer Weg bis zum modernen Fahrrad. Der Erfinder Pierre Michaux setzte 1862 mit seinem Zweirad mit Tretkurbelantrieb einen Meilenstein. In Braunschweig war Heinrich Büssing einer der Vorreiter der weiteren Entwicklung und 1869 Mitbegründer der Velocipeden-Fabrik. Hochräder mit einem Raddurchmesser von bis zu 1,50 Meter waren schnell, wegen ihres hohen Schwerpunktes aber auch lebensgefährlich. „Immer wieder kam es zu tödlichen Unfällen“, berichtet Ausstellungskuratorin Heidemarie Anderlik. Das „Niederrad“ mit Kettenantrieb und Luftbereifung war sozusagen das „Safety-Bike“ der damaligen Zeit.
Der Braunschweiger Panther setzte 1907 zum Sprung an. In diesem Jahr fusionierte die Braunschweiger Fahrradwerke AG in der Ludwigstraße mit den Magdeburger Pantherwerken. Pantherräder wurden fortan gleich neben dem heutigen Presssehaus produziert, zwischen 300 und 350 Menschen waren dort beschäftigt.
Dem Sammler Rainer Uckermann ist zu verdanken, dass nun ein Überblick über die Modellreihen aus fast 60 Jahren Braunschweiger Fahrradbau gegeben werden kann: Kinderräder, Dreiräder, komplett verchromte Luxusräder, solide Tourenräder, avantgardistische Stromlinienräder, Rennräder, Falträder und auch Räder mit Hilfsmotor. Die Materialien haben sich verändert, Gangschaltungen kamen hinzu, Bremssysteme wurden verbessert, aber unter dem Strich sind Pantherräder immer noch modern. Vielleicht auch wegen ihres schönen Designs, das sich in Details wie mit Panthern verzierten Kettenrädern, Schutzblechfiguren oder einem geschweiften Kettenschutz zeigt.
Auch sonst scheint die heutige Zeit eine Wiederholung der damaligen zu sein: Breite Fahrradtrassen entlang der Straßen gab es nach dem Krieg entlang der großen Straßen, wie ein Foto des Kennedy-Platzes beweist. Erst ab den 1960er Jahren verdrängte das Auto das Rad, der Panther kam zu Fall, 1963 war in dem Braunschweiger Werk endgültig Schichtende. Erst ab den 1980er Jahren gewann das Rad wieder an Renommee: Verbände wie das Braunschweiger Forum oder der ADFC setzen sich für dessen Anerkennung ein und priesen das Rad als umweltfreundliche Alternative zum Auto. „Spezial-Mängel-Coupons“ wurden verteilt, damit die Braunschweiger ihre Vorschläge für bessere Radwege zu Papier bringen konnten. Über die Anfänge der Radverkehrsförderung spricht am Donnerstag (23. Oktober) ab 16 Uhr übrigens der Ingenieur Hans-W. Fechtel, „Fahrrad-Aktivist“ der 80er Jahre,
Selbst die Konflikte von heute sind die von damals: Da ärgerten schnelle Radfahrer, die Pferde scheu machen und Fußgänger gefährden, die Stadtverwaltung. Radfahren ist Luxus, hieß es und per Ratsbeschluss wurde eine Steuer- und Kennzeichenpflicht eingeführt, die erst 1920 aufgehoben wurde. So weit ist es zum Glück nicht wieder gekommen, Braunschweig tut viel, um wieder Vorzeige-Fahrradstadt zu werden.
• „Panther und Löwe – Braunschweig die Fahrradstadt“ zu sehen bis zum 18. Januar 2015 im Altstadtrathaus dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.
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