Anzeige

„Spielräume und Laboratorien sozialer Fantasie“

Operndirektor Philipp Kochheim, Orchesterdirektor Martin Weller Generalintendant Joachim Klement, die neue leitende Schauspieldramaturgin Charlotte Orti von Havranek, der neue Verwaltungsdirektor Stefan Mehrens, Andreas Steudtner (Junges Staatstheater) und der künstlerische Leiter des Tanztheaters, Gregor Zöllig (v.l.) freuen sich auf die kommende Spielzeit. Foto: André Pause

Am Staatstheater Braunschweig wurde das Programm für die kommende Spielzeit vorgestellt – Drei neue Gesichter in der Theaterleitung.

Von André Pause, 21. Mai 2016

Braunschweig. Ein bewegendes und belebendes Programm versprach Staatstheater-Generalintendant Joachim Klement bei der Spielzeitkonferenz für die Theatersaison 2016/17, seine letzte in Braunschweig, vor dem Abschied nach Dresden.

Bewegung gibt es zunächst einmal personell im Leitungsteam: Das erste Jahr am Fünf-Sparten-Haus liegt vor Stefan Mehrens, der den Staffelstab als Verwaltungsdirektor von Claudia Schmitz übernimmt, die es nach Düsseldorf zieht. Für Charlotte Orti von Havranek, die den scheidenden Axel Preuß teilbeerbt, ist die kommende Spielzeit die erste als leitende Dramaturgin im Schauspiel. Der neue Generalmusikdirektor Sraba Dinic, jetzt vom Verwaltungsausschuss offiziell bestätigt, kommt aufgrund seines derzeitigen Engagements in Mexiko Stadt erst zur Saison 2017/18 nach Braunschweig.
Über die kommende Spielzeit am Staatstheater Braunschweig sagte Generalintendant Joachim Klement: „In einer Zeit, die von den immer sichtbarer werdenden Folgen der digitalen Revolution, von Globalisierung, Migration und den derzeitigen Flüchtlingsbewegungen bestimmt ist, braucht es Orte, die in der Lage sind, exemplarisch die Dinge durchzuspielen, die unser Zusammenleben sinnvoll und zukunftsfähig machen. Es braucht Spielräume, Laboratorien sozialer Fantasie, wie es das Theater ist.“
Im Musiktheater setzt Operndirektor Philipp Kochheim auf die drei bewährten Säulen Musical, Neubefragungen von Meisterwerken großer Regisseure sowie spannende Ausgrabungen. Auf dem Programm stehen unter anderem Jules Massenets Vertonung von Goethes berühmtem Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“, die musikalische Umsetzung eines orientalischen Märchens in Kurt Atterbergs „Aladin“ und die Puccini-Oper „Tosca“. Zum Abschluss zeigt das Musiktheater Verdis Opera buffa „König für einen Tag“.
Gleich drei Stücke befassen sich im Schauspiel mit dem Kernthema Familie und zivilisationsgeschichtlichen Erfahrungen: Das preisgekrönte Stück „Eine Familie“ von Tracy Letts, Schillers Sturm-und Drang-Drama „Die Räuber“ und „Alles Weitere ist bekannt aus dem Kino“ von Martin Crimps. Außerdem auf dem Spielplan steht Ödön von Horváths „Hin und her“ von 1933, das auf provokante Weise die Geschichte eines Staatenlosen erzählt, der im Niemandsland zwischen Grenzposten hängenbleibt – und damit die Brücke ins Hier und Heute schlägt. Fragen nach dem Zusammenleben im Europa von heute widmen sich auch die Arbeiten eines litauischen Künstlerinnentrios und die neue Arbeit „Gypsies“ des freien Kollektivs werkgruppe2. Fortgesetzt wird „Fast Forward“, das Festival für junge Regie. Die letztjährigen Preisträgerinnen aus Litauen bringen im Mai kommenden Jahres im Kleinen Haus ihr neues Stück „Sun and Sea“ zur Uraufführung. Eine weitere spartenübergreifende Produktion mit dem Musiktheater steht mit „Sweeney Todd“ ab Anfang November auf dem Programm, bereits Mitte Oktober gibt es ein Wiedersehen mit den „Comedian Harmonists“ um Schauspieler Götz van Ooyen und den musikalischen Leiter Ralf Schurbohm.
Das Junge Staatstheater präsentiert als Familienstück zu Weihnachten in diesem Jahr Rudyard Kiplings Klassiker „Das Dschungelbuch“. Die Bühnenadaption von Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ erzählt die bewegende Geschichte einer tiefen Freundschaft, und mit „Nadia“ geht das Junge Staatstheater gemeinsam mit vier weiteren europäischen Theatern der Frage nach, warum sich Jugendliche radikalisieren. Im Rahmen von Ulrike Hatzers Recherchetheaterprojekt „Nebenan“ begeben sich die Zuschauer schließlich auf eine Entdeckungsreise in die dunkle Vergangenheit des AOK-Gebäudes, das die SA 1933 zur Folterzentrale machte.
Einen neuen Blick auf die Traditionen der Tanzmoderne und gesellschaftlich relevante Themen verspricht der künstlerische Leiter des Tanztheaters, Gregor Zöllig. Den Anfang macht mit „Jagd.Kampf.Rausch“ eine Rekonstruktion des Stückes „Zeche eins“ von Reinhild Hoffmann, bevor Zöllig selbst sich mit Compagnie und Staatsorchester in „Dein Herz ist meine Heimat“ den Sonetten Shakespeares widmet. Und Hauschoreograph Tiago Manquinho geht mit seiner Uraufführung „Nice to meet you?“ dem Phänomen der Begegnung und den Grenzen im Zwischenmenschlichen auf den Grund. Großen Wert legt die Abteilung auf Partizipation und Vermittlung. Schon jetzt haben sich mehr als 200 Tanzfreudige für die Mitmachformate unter dem Label „tanzwärts“ beworben. Hier wird es zwei weitere Projekte geben. Eine eigene Gala im Großen Haus rundet das Tanz-Paket ab.
Das Programm der Sinfoniekonzerte in der Stadthalle verantwortet in der folgenden Spielzeit erneut der ehemalige Generalmusikdirektor und Ehrendirigent des Staatsorchesters Braunschweig Stefan Soltesz. Neben zahlreichen Sinfoniekonzerten, Lunch- und Kammerkonzerten darf sich das Braunschweiger Publikum wieder auf musikalische Höhepunkte wie „Pop meets Classic“ und „Klassik im Park“ sowie auf zahlreiche Vermittlungsangebote freuen.
Weitere Infos und das neue Spielzeitbuch in digitaler Form finden Sie unter staatstheater-braunschweig.de .
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.