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Spielerisch auf Stimmenfang

„Ein Laden“, zwei Studentinnen und viele witzige Ideen, um Ideen fürs Viertel zu sammeln.

Von Marion Korth, 15.07.2012.

Braunschweig. Ein Laden, der auch so heißt: „Ein Laden“. Das kann man so und so lesen, denn „einladen“ möchten die beiden Kommunikationsdesign-Studentinnen Sina Pardylla und Marie Schröter tatsächlich. Für ihre Masterarbeit sammeln sie Anregungen und Denkanstöße. Wie sehen Bürger das Friedrich-Wilhelm-Viertel, was ist schön, was könnte besser sein?

In der nB hatten sie von dem Bundesmodellvorhaben „Kooperation im Quartier“ gelesen. Gemeinsam mit Hauseigentümern, Geschäftsleuten und Anwohnern soll nach Möglichkeiten gesucht werden, einzelne Stadtviertel aufzuwerten. Sina Pardylla und Marie Schröter kam das für ihr Projekt gerade recht. Die beiden haben ihr Lager auf Zeit mitten in einem Problemfeld aufgeschlagen: Friedrich-Wilhelm-Straße, Hausnummer 47. Das Ladenlokal, obwohl es schick und modern ist, stand zwei Jahre leer. Kein Einzelfall in diesem Viertel. Als Existenzgründerinnen könnten die beiden sich solche Räume nicht leisten, aber Miete müssen sie nicht zahlen, auch die Nebenkosten werden übernommen. „Zwischennutzung“ heißt das Zauberwort, mit dem Leben in den Laden gebracht wird. Jetzt gibt es am und hinter dem Schaufenster wieder etwas zu sehen. Der „Stopper“ auf dem Gehweg erfüllt seinen Zweck. Und das da, wo immer nur alle in Eile zu sein scheinen. „Wir hätten nie gedacht, dass die Leute tatsächlich stehenbleiben und den Schaufenstertext lesen“, sagt Marie. Ein „Formular to go“, wo gibt es das sonst schon? Die Neugierde treibt die Menschen herein, dann folgen viele kleine (Erklärungs-)Schritte, bis sie wissen, was sie hier eigentlich tun sollen.
Die beiden Studentinnen spielen bewusst mit Alltäglichem, geben ihm aber einen neuen Zusammenhang. Das mit dem Formular hat seine Bedeutung. Am Ende der hohen Treppe ist die „Amtsstube“. Marie und Sina haben tief in die Mottenkiste gegriffen: Stempelkarussell und Anmeldeformulare auf braunem Schreibpult. Eine Kundennummer wird der guten Ordnung halber auch verteilt. Ernst gemeint ist das Ansinnen, den Bürgern eine Stimme zu geben, ihre Meinung hören zu wollen. Wie oft passierst du die Friedrich-Wilhelm-Straße? Warst du schon in einem der Läden? Was wünschst du dir für das Viertel? „Abgefragt“ werden auch die besonderen Fähigkeiten der Bürger. „Bewusst aber fragen wir nicht nach der Berufstätigkeit, denn viele hier sind arbeitslos“, sagt Marie. Jede Meinung zählt, so lautet die Botschaft.
Der Platz für Notizen wird genutzt: Die Rotlichtmeile nebenan und „die Besoffenen am Morgen“ werden als Störfaktoren empfunden, „locker, multikulturell“ hat jemand als atmosphärischen Pluspunkt vermerkt, ebenso die „Rund-um-die-Uhr-Versorgung“. Nach einem Spaziergang durchs Viertel haben Kinder ihre Vorschläge zu Papier gebracht. Melissa wünscht sich eine Minibücherei, ein anderes Kind eine Hunde-Streichelwiese oder Obstbäume, von denen jeder ernten darf. Sina Pardylla schaut auf den breiten Bürgersteig. „Das mit den Obstbäumen ist doch gar nicht so unrealistisch“, meint sie. Die Idee mit der Minibücherei findet sie ebenfalls richtig gut.
Mitte August werden sie und Marie Schröter wieder ausziehen. Die Erfahrungen aus ihrer Zeit im „Ein Laden“ kommen als Dokumentation in die Masterarbeit. Vermisst werden die beiden schon jetzt: „Einfach klasse, Sponsoren sollten den Laden erhalten, er wertet das Viertel auf“, hat jemand geschrieben. Ein Treffpunkt, ob dort oder anderswo, das würde dem Viertel guttun, glaubt auch Sina. Strukturell könnte einiges getan werden, um interessante kleine Lädchen oder Cafés als Gegenpol zum Schloss ins Viertel zu bekommen. Sie denkt an Mietverträge, die nur für ein Jahr gelten, oder eine „Gebühren-Auszeit“, damit es nichts kostet, wenn Ladenbesitzer einfach mal ein paar Stühle vor die Tür stellen.
• Öffnungszeiten im „Ein Laden“: Mittwoch bis Freitag 11 bis 18 Uhr, Sonnabend 12 bis 16 Uhr. Neuigkeiten stehen auch im Blog unter blog.sproessling-design.com.
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