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So aktuell wie Schlaghosen

Das Ensemble in Höchstform: Mit ihren Kostümen sind sie genauso im Heute, wie mit ihren Themen. Foto: Volker Beinhorn

Das Musical „Hair“ hat heute Premiere: Fragen zu Krieg und Frieden, zu Haltung und Politik.

Von Ingeborg Obi-Preuß, 12.08.2016.

Braunschweig. „This is the dawning of the Age of Aquarius“ (dies ist der Beginn des Wassermannzeitalters) – mindestens in Braunschweig und mindestens für die nächsten drei Wochen: „Hair“ is in the house. Heute Abend feiert das Musical Premiere, wir durften schon mal in die Probe schauen.

Ungestüm und temperamentvoll von der ersten Sekunde an erzählt Regisseur Alonso Barros die Geschichte der Flower-Power-Bewegung am Beispiel einer Gruppe guter Freunde. Um die Hauptfiguren Claude (Markus Schneider) und Berger (Tim Al-Windawe) hüpfen, tanzen, springen, lachen und weinen die Girls und Boys der coolen Gang. Ausgeflippt und abgedreht, leicht umnebelt vom nächsten Joint. 1968 uraufgeführt am Broadway, gilt „Hair“ heute als erfolgreichstes Musical überhaupt. Noch immer weltberühmt die Songs, die Vielfalt der musikalischen Stilrichtungen setzte Maßstäbe.

In der Braunschweiger Inszenierung hat Johanna Motter die musikalische Leitung übernommen und die Stücke bearbeitet. Die Solorepetitorin und Stellvertreterin des Chordirektors am Staatstheater spielt das Keyboard und dirigiert die anderen Musiker. Vor allem Trompete und Schlagzeug setzen die Akzente, eine Hammond-Orgel sorgt für mitunter psychedelische Klänge. Mitreißende Musik von Anfang an, die größte Gefahr wird sein, dass das Publikum vor Begeisterung aufspringt und mittanzt.

Denn getanzt wird fast durchgängig, die speziell für diese Produktion zusammengestellte Compagnie begeistert mit großen Stimmen, viel Charme, schönen Körpern und spektakulären Kostümen: Schlaghosen im Blümchenmuster, Fransen, Batikhemden, Ketten, Perlen, Stirnbänder – Peace, Flower, Freedom, Happiness und Hare-Krishna satt. Ein Sommerfest, wenn da nicht die tragisch-politische Dimension der Geschichte wäre. Claude erhält seine Einberufung in den Vietnamkrieg. Er ist hin- und hergerissen zwischen den Idealen seiner Freunde und den konventionellen Erwartungen seiner bürgerlichen Herkunft, insbesondere seiner Eltern.
Bewegend spielt Schneider diese Zerreißprobe, ergreifend setzt Regisseur Barros das Ende in Szene: Militäruniformen, Gewehrsalven und Kommandos bilden scharfen Kontrast und markieren den Schlusspunkt unter die Flower-Power-Hoffnung.
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