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Situationskomisch bis ins Detail

Für Billy (Lorin Goltermann) und Alice (Lia Dorenberg) gibt es ein Happy End. Foto: oh

Die Musiktheatergruppe der IGS Franzsches Feld präsentiert „Alice im Wunderland“-Musical

Von André Pause, 07.02.2015.

Braunschweig. Es ist inzwischen gute Tradition: Kurz nach Jahresbeginn zeigt die Musiktheatergruppe der IGS Franzsches Feld ihre aktuelle Produktion in der Brunsviga. Dieses Mal steht „Alice im Wunderland“ auf dem Programmzettel des Ensembles von „jetzt oder nie!“.

Zu sehen ist das Musical dort bis zum nächsten Samstag in einer recht neuen Bühnenversion von Henry Mason und Thomas Zaufke, die 2012 am Theater der Jugend Wien uraufgeführt wurde. Der Clou hierbei ist die Zusammenführung beider Alice-Romane, die der Mathematiker Charles Lutwidge Dodgson unter seinem Pseudonym Lewis Carroll veröffentlicht hat: „Alice im Wunderland“ und „Alice hinter den Spiegeln“. Dramaturgisch werden die Inhalte beider Bücher eng miteinander verwoben.
Seinen Ausgangspunkt hat der rund zweistündige Abend in der Wirklichkeit. Alice leidet unter der strengen Ordnung und Betonung auf Regeln und Benimm seitens ihres Vaters und ihrer Gouvernante. Allein die Ankündigung eines Fünf-Uhr-Tees mit den beiden Tanten und deren tollen Törtchen verursacht Bauchschmerzen. Ihrer Wahrnehmung bedeutet Benimm, „dass einer sich hohl fühlt, damit ein anderer sich wohl fühlt“. Da muss es in dieser Welt doch mehr geben. Und wer suchet, der findet: Ihrem Freund Billy, beziehungsweise ihrem weißen Kaninchen hinterher, geht es nach einem Schluck für den Schrumpfungsprozess durch die kleine Tür in die große Gegenwelt, das faszinierende Wunderland. Die einzige Regel, die es hier gibt, ist Regel Nummer 42, der ganze Rest scheint Willkür. Einige der Protagonisten aus der echten Welt tauchen hier in abgewandelter Form wieder auf. Die Schlüsselperson ist die strenge aber gutmeinende Gouvernante, welche zur unangenehm bauchgesteuerten Herzkönigin wird, die ihren Vater als Marionette missbraucht. Im Wald ohne Namen, in Wunderlandschreibe: Namen ohne Wald, dämmert es Alice. Sie muss die gespiegelte Welt im Spiegel betrachten. Auf diese Weise gewinnt sie die Erkenntnisse, aufgrund derer sie dem Kaninchen beziehungsweise Ihrem Freund Billy das Leben rettet und anhand derer sie lernt, die Wirklichkeit zu verstehen. Ihre beinahe irisierende Hellsichtigkeit führt schließlich dazu, dass der Familienschatz gehoben wird. Die finanzielle Unabhängigkeit und die damit verbundene Loslösung vom aufoktroyierten überkommenen Wertesystem der Tanten ist damit zur Freude (fast) aller besiegelt. Champagner!

Regisseurin Kaja Brandenburger und der musikalische Leiter Felix Goltermann beweisen mit diesem Stück einmal mehr, was trotz geringer finanzieller Mittel und rahmenbedingt gegebener Fluktuation mit einer Schultheatergruppe möglich ist, wenn langfristig und engagiert gearbeitet wird. Auch wenn gesanglich nicht jeder Ton sitzt: Das agile wie spielfreudige Ensemble präsentiert mit viel Liebe fürs Detail und beeindruckendem Gefühl für situationskomischen Wortwitz einen insgesamt sehr bildstarken und stimmigen Musiktheaterabend.

Die Besucher der Premiere in der ausverkauften Brunsviga sind begeistert und applaudieren heftig. Karten für die Vorstellungen, die (außer am 10. Februar) bis zum 14. Februar täglich ab 19.30 Uhr zu sehen sind, gibt es für fünf beziehungsweise zehn Euro im Sekretariat der IGS Franzsches Feld, in der Brunsviga sowie an der Abendkasse.
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