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„Sind keiner Ära verpflichtet“

Spielen im Mai gleich zwei Konzerte in Braunschweig: Voodoo Lounge. Foto: oh

Voodoo Lounge spielen am 8. Mai im Riptide und am 16. Mai in der Meier Music Hall.

Von André Pause, 30.04.2014.

Braunschweig. Wenn eine Band 18 Jahre alt wird, dann sind Bezeichnungen wie Dauerbrenner oder Institution an der Tagesordnung. Voodoo Lounge erreicht die Volljährigkeit im kommenden Jahr.

Verglichen mit den Rolling Stones (mittlerweile in der 54. Saison aktiv), deren Titel die Band covert, fallen die Braunschweiger jedoch eher in die Kategorie „frisch geschlüpft“.
Gleich zweimal innerhalb weniger Tage sind Voodoo Lounge nun in heimatlichen Gefilden zu erleben. Am 8. Mai spielen sie in der Reihe „Sound On Screen“ im Anschluss an den Film „The Stones in Exile“ (Universum) ein eher akustisches Set im Riptide, und am 16. Mai steht dann der Auftritt in der Meier Music Hall auf dem Programm.
Hier hat die Band in der Vergangenheit alle runden Geburtstage gefeiert: fünf Jahre, zehn Jahre, 15 Jahre. Dieses Mal gibt es ein Konzert ohne konkreten Anlass. Ein bisschen flau im Magen wird den Musikern allerdings bei dem Gedanken, dass es aufgrund der näher rückenden Schließung des Veranstaltungsortes wohl der letzte Gig in der Schmalbachstraße sein wird. „In dieser Größenordnung gibt es sonst nichts in Braunschweig. Man muss aufpassen, dass in diesem Bereich nicht die Lichter ausgehen“, mahnt Frontmann Bobby Ballasch, und Organist Dirk Wachsmuth ergänzt: „Das ist vielen wohl noch gar nicht bewusst, was fehlen wird. Wir spielen in verschiedensten Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, und überall gibt es eine Auftrittsmöglichkeit für 400 bis 500 Zuschauer. Wenn ich die Situation hier als Livemusiker betrachte, kommen mir Tränen.“ Dass die Band dreimal im Jahr in Hannover spielt, liege auch daran, dass es in Braunschweig außer dem Meier wenig gebe.
Nichtsdestotrotz hat sich Voodoo Lounge im Laufe der Zeit deutschlandweit ein Stammpublikum erspielt. Regelmäßige Shows, beispielsweise im Hamburger Downtown Bluesclub oder dem Bremer Meisenfrei, sind eigentlich immer ausverkauft. Das Erfolgsrezept? „Wir können uns dem Ganzen aufgrund unseres Alters unvoreingenommen nähern, da wir die Zeit aktiv nicht miterlebt haben. Wenn es einen Song von 1997 gibt, den wir geil finden, dann spielen wir den eben auch. Wir sind nicht der Tradition einer Ära verpflichtet und machen das, worauf wir Bock haben“, skizziert Ballasch „Natürlich muss man obligatorische Sachen wie „Satisfaction“ bringen, aber wir schummeln immer ein paar Perlen rein, die uns viel Spaß machen und den Hardcore-Stones-Fans sowieso. Man braucht mindestens zwei Songs, bei denen nicht gleich der Autopilot anspringt.“
Ein anderer Punkt sei, dass sich die Band musikalisch selbst treu geblieben ist. „Ich kann nicht so Keyboard spielen wie Jack Lavelle. Ich versuche, mich da etwas zu nähern, spiele aber trotzdem meinen eigenen Stil“, sagt Wachsmuth. Auch optisch habe der Gleichschritt seine Grenzen. So werden vorhandene Ähnlichkeiten durchaus ein bisschen herausgearbeitet. Letztlich schaue man aber schon darauf, dass es nicht albern wird. „Wenn man auf der Bühne 90 oder 120 Minuten so tut wie Mick Jagger, muss man den Dreh finden, dass man es vorher und hinterher nicht ist“, findet Ballasch, der die Illusion unter anderem bewusst bricht, in dem er die Zwischenansagen auf Deutsch formuliert. Manch einer mag darin einen Stilbruch erkennen. „Mir sind daher die nicht ganz so eingefleischten Fans manchmal lieber als die Hardcore-Fraktion, weil es da doch ein paar Humorlose gibt“, lacht der Sänger. „Wenn Leute kommen, die 150 Stones-Konzerte gesehen haben, geht einem schon mehr die Düse.“
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