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Sie lernten gerade mal das ABC

Die Historikerin Elke Frobesen erzählt auf Erlebnisführungen über Frauen im 19. Jahrhundert.

Von Annette Heinze, 23.06.10

Braunschweig. Sie rafft die Röcke und steigt die Stufen vor der Villa Salve Hospes herunter: „Das war gar nicht so einfach“, sagt Elke Frobesen alias Helene Hollandt. Nicht nur die langen Röcke bremsten die Braunschweigerinnen des Biedermeier. Mehr darüber erzählt Frobesen in ihren Erlebnisführungen.

Elke Frobesen führt Braunschweiger und Touristen stilecht gekleidet im geblümten Kleid und mit Haube durch die Stadt – alles ist selbst angefertigt. Für die Führung schlüpft sie in die Rolle der Bürgerin Helene Hollandt (1816-1866) und erzählt aus der Zeit. Im vergangenen Herbst recherchierte die studierte Historikerin und Pädagogin, im Winter erkundete sie auf den vereisten Wällen der Stadt die Route. „Die ganze Familie unterstützt das Projekt“, erzählt die 48-jährige.
Elke Frobesen ist als Freiberuflerin gut vernetzt. Sie engagiert sich für das Kulturteam, das Landesmuseum und das Projekt Zeitschiene. Und sie mimt nicht nur die Helene Hollandt. Sie führt auch als Magd Elke zur Zeit Kaiser Ottos des IV. durch die Stadt sowie als eine „Hörige“ über die historische Kaiserpfalz Werla bei Schladen.
Über ihre Biedermeier-Führung sagt sie: „Es geht nicht nur um Biedermeier und schöne Kleider, sondern auch um Politik“, Die Geschichte der Frauen im 19. Jahrhundert liegt ihr am Herzen: „Anfang des Jahrhunderts lernten sie gerade mal das ABC“, erläutert Frobesen. Doch das habe sich im Zuge der Revolution geändert ...
Elke Frobesen erzählt im Gespräch lebendig und mit Begeisterung. Auch über die Revolution berichtet sie Interessantes: 1830 brennt in Braunschweig das Schloss: „Der Herzog wird vertrieben, die Revolution bricht los. Das gab es sonst so in ganz Deutschland nicht“, sagt Frobesen. Andernorts hätten die Throne nur gewackelt.
Ihre Figur der Helene Hollandt hat es tatsächlich gegeben. Eine Frau mit einer außergewöhnlichen Geschichte, fand Elke Frobesen heraus: Das Mädchen wird als Kind auf dem staubigen Exerzierplatz gefunden. Nach dem Fundort wird es „Helene Sand“ genannt. Ein wohlhabender Kaufmann adoptiert Helene. Fortan gehört das Mädchen zum reichen Bürgertum.
Elke Frobesen interpretiert die Frau so, dass sie den Blick für beide Schicksale gehabt habe: „Entweder war man arm oder reich, oder man hatte Glück.“ Ihre Führung kommt, sagt die Historikerin, mit wenigen Jahreszahlen aus. Als Helene Hollandt spricht sie auch über die Architektur der Zeit und Technikgeschichte – so über die Gründung der Eisenbahnlinie nach Wolfenbüttel. Das Publikum soll „etwas Spannendes geboten bekommen, ohne viel Vorwissen mitzubringen.“
Start der eineinhalbstündigen Führung ist am Schloss, danach geht es zu den Torhäusern am ehemaligen Steintor. Weitere Stationen sind der Löwenwall mit der Villa Gerloff und der Kunstverein am Lessingplatz – Helene Hollandt war nämlich einst Hausherrin der Villa Salve Hospes.
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