Anzeige

Sexuelle Orientierung im Gespräch

Braunschweig: LOT-Theater |

Staatstheater und LOT-Theater kooperieren für das Recherchestück „Homo, Homo Sapiens!“.

Von André Pause, 11.07.2015.

Braunschweig. „Ist doch egal, wo was baumelt oder nicht baumelt“, sagt eine Spielerin auf der Bühne im Haus Drei, und das Publikum gluckst. Der Ton ist recht leger in „Homo, Homo Sapiens!“, der als Recherchestück zum Thema Sexualitäten ausgewiesenen Koproduktion von Staatstheater und LOT-Theater.

Die Premiere fällt – wahrscheinlich doch eher Zufall als Timing – auf genau den Tag, an dem der Supreme Court in den USA die gleichgeschlechtliche Ehe für verfassungskonform erklärt. Dieser Umstand verleiht dem von Thiemo Hackel und Marie-Luise Krüger konzipierten Abend zusätzlich Würze.
Sieben junge Menschen berichten aus ihrer Perspektive zum Themenkomplex Sexualität, schildern ihre Positionen, geben partiell Einblicke in ihr ganz persönliches Empfindungsreich.
Kleine Gemeinheit: Gleich zu Beginn locken sie das blockweise angeordnete Publikum in die Klischee-Falle. Statements der Protagonisten sollen den Kategorien richtig oder falsch zugeordnet werden. Und schon ertappt sich wohl manch ein Besucher beim Abgleich von vorformulierten Aussagen wie „Ich habe schon mal mit einer Frau rumgemacht“ mit den Vorurteilen, die ihm beispielsweise beim Mustern der 19-jährigen, Rastazöpfe tragenden Lotte in den Sinn kommen.
Oft mögen positiv wie negativ geprägte Vorurteile zwar einen Funken Wahrheit (manchmal sogar mehr) implizieren, unter dem Strich liefern sie jedoch auch Nährboden für Diskriminierung. Als Denkanstoß und Kernbotschaft des Abends kommt an: Die Liebe ist nicht geschlechtsgebunden. O-Töne wie „Ich bin in Menschen verliebt, nicht in Geschlechter“ oder „Hauptsache, man tut sich gut“ vermitteln den Eindruck „The Kids Are Alright“ in Sachen Sexualität.
So weise wie das Jungvolk auf der Bühne ist dann allerdings weder die Braunschweiger Stadtgesellschaft, das verdeutlichen Zitate aus Fragebögen, Facebook-Kommentaren und Äußerungen Braunschweiger Politiker aus Zeitungen, noch ein Großteil der bundesrepublikanischen Politikerkaste. Das Grimme-Preis-verdächtige Lavieren der Kanzlerin bei der Frage zur Gleichstellung gleichgeschlechtliche Ehepaare im Wahlkampf 2013 wird szenisch aufs Korn genommen.
Aus dem Off vorgetragene, teilweise doch recht nachdenklich stimmende Faktenblöcke machen ein Stück rund, das für Akzeptanz und Toleranz wirbt, dafür, nicht das Geschlecht an sich, sondern den homosexuellen, transsexuellen, heterosexuellen, bisexuellen, asexuellen, intersexuellen oder pansexuellen Menschen zu lieben. Vorbildlich.
Die weiteren Vorstellungen von „Homo, Homo Sapiens!“ am 23., 24. und 25. Juli (jeweils 20 Uhr) finden im LOT-Theater in der Kaffeetwete statt. Weitere Infos gibt es unter www.lot-theater.de und staatstheater-braunschweig.de .
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.