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Selbst eine Holzplanke erzählt vom Mittelalter

Grabungsteam in der Ritterstraße beendete dreimonatige Arbeiten

Von Henning Thobaben

Braunschweig. Die Holzplanke ist 3,50 Meter lang und lag vermutlich rund 800 Jahre im Grundwasser. Sie ist das wertvollste Stück der Ausgrabungen in der Ritterstraße. Die Arbeiten im Magniviertel endeten jetzt.

„Das ist schon etwas Besonderes“, sagt Bezirksarchäologe Michael Geschwinde. Der Fund des Grabungsteams stammt aus dem 13. Jahrhundert. Er, sowie die anderen Stücke geben weitere Aufschlüsse über das Leben im mittelalterlichen Braunschweig. Der Fundort befindet sich im damaligen Weichbild Altewiek, einem von fünf ursprünglichen Stadtbezirken.
Projektleiter Dirk Rieger, ebenfalls vom Landesamt für Denkmalpflege, vergleicht den Effekt bei der Holzplanke mit dem bei Moorleichen oder im Schlick konservierten Koggen. Das Material sei abgeschlossen von Sauerstoff gewesen und deshalb so gut erhalten. Die Planke sei in die Wand eines Hauses eingebaut gewesen. Um die genaue Jahreszahl zu bestimmen, muss sie geborgen und anhand der Jahresringe des Holzes eingeordnet werden.
„Normalerweise hat der mittelalterliche Mensch alles recycelt. Entweder das Material wurde neu verbaut oder als Brennholz genutzt“, erklärt Rieger. Doch neben Häuserresten, Graben, Brunnen und Feuerstellen entdeckte das Grabungsteam auch Kloaken. „Sie sind eine Art Schaufenster ins Mittelalter“, sagt Rieger.
In den Kloaken landeten nicht nur Fäkalien. Auch Alltagsgegenstände von Textilabfällen über Geschirrsets bis hin zu Produktionsabfällen bestimmter Berufsgruppen wurden dort entsorgt.
Das Team brachte in der Ritterstraße besonders viele Trinkgefäße ans Tageslicht. Während einige Mauerreste aus Backstein von einem Gebäude aus dem späten 19. Jahrhundert stammen, buddelten die Forscher bis zu drei Meter tief. Hinein in Schichten, die aus der Zeit der Weihe der St. Magnikirche im Jahr 1031 stammen.
Die Erkenntnisse bleiben, die freigelegten Gräben und Überreste nicht. Die Wiederaufbau Immobilien GmbH errichtet dort einen Bau mit zwölf Wohnungen und Tiefgarage. Sie hat auch die Kosten für die Ausgrabungen in Höhe von etwa 100 000 Euro übernommen.
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