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Sekt, Wurst und ganz viel weiße Farbe

„Aller Tage schwarzer Kater“ eröffnet Theatersaison im Kleinen Haus.

Von Christoph Matthies, 26.09.2010.

Braunschweig. Eine progressiv-moderne Inszenierung der neuen Hausregisseurin Daniela Löffner mündete bei der Saisonpremiere im Kleinen Haus in langen Schlussapplaus. Und bedeutete Schwerstarbeit für den Reinigungstrupp des Staatstheaters.

„Ich trinke auf mich, meinen Erfolg und auf meinen Arsch, aus dem alles rauskriecht!“ Wer so spricht, der hat keine Lust mehr. Georg, ein allseits gefeierter Schriftsteller, nutzt eine ihm zu Ehren ausgerichtete Preisverleihung für einen Anschlag auf sich selbst. Teurer Schaumwein und Austern und wer weiß was sonst noch, bis zum völligen Zusammenbruch. „Don't try suicide, nobody cares.“
Das Erwachen ist brutal und wiederholt sich stetig. Georg wird von seinen Eltern umsorgt, einem fleischeslustigen Metzgerpaar im Wurstwahn. Das Kurzzeitgedächtnis des Autors ist zerstört, formatiert sich fortwährend nach nur wenigen Minuten. Gefangen im Augenblick, ein Bewusstsein ohne Wegmarken. Anterograde Amnesie. Der Moment in Endlosschleife.
Franz, ein Bekannter aus Kindertagen, wird zu seinem Assistenten erkoren, der ihm helfen soll, wieder zu schreiben. Doch der Sonderling von der Bushaltestelle, der scheinbar einfältige Außenseiter, manipuliert, sieht seine Chance. Und arbeitet geschickt an einem Rollentausch.
Die neue Hausregisseurin Daniela Löffner setzt das Auftragswerk der erst 24-jährigen Berliner Autorin Anne Nather modern in Szene, erschafft einen Exzess aus Sekt, Wurst und Farbe. Die vier Darsteller, bis auf Mattias Schamberger in der Rolle des Vaters allesamt Neuzugänge, geben viel. Vor allem Oliver Simon in der Rolle des Georg gelingt der Spagat zwischen Komik und Tragik, mit der starken Eröffnungsszene als erstem Höhepunkt. Das Bühnenbild bleibt haften: Die festliche Tafel, wie bestellt zum Start der Saison des Staatstheaters. Der schwarze, von vagen Erinnerungen befleckte Boden nach dem Blackout, später beschmiert mit Wörtern und Warnungen. Und am Ende nur noch Weiß. Kälte. Und langer Applaus.
Die nächsten Vorstellungen sind am 1. und 8. Oktober im Kleinen Haus am Magnitorwall.
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