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Seitenhieb auf die Manager

Gudrun Brüne vor dem „Vorstand“, gemalt in der Finanzkrise. bw

Die Malerin Gudrun Brüne liebt das Doppelbödige – Ausstellung in der Jakob-Kemenate.

Von Birgit Wiefel, 15.09.2017.

Braunschweig. Nein, leicht und schnell zu konsumieren sind ihre Bilder nicht. Bis zum 1. Dezember präsentiert die Stiftung Prüsse die Malerin Gudrun Brüne. Unter dem Titel „Traum und Wirklichkeit“ versammelt die Werkschau rund 60 Bilder der 76-Jährigen, die vor allem für ihre Masken- und Puppenmotive bekannt wurde. Die Grafiken, Aquarelle und Gemälde sind in der Jakob-Kemenate, im Bankhaus Löbbecke, im Augustinum, der Stadthalle und im Hauptbahnhof zu sehen.

Gudrun Brüne – ein leiser, nachdenklicher Typ – gehört zur berühmten Leipziger Schule, die sich schon zu DDR-Zeiten sehr bewusst und kritisch mit der Gesellschaft auseinandersetzte, und auch nach der Wende – siehe zeitgenössische Stars wie Neo Rauch – ihrem Stil treu geblieben ist. Brünes Puppen sind kein Spielzeug. Sie stehen für den Menschen. Und der ist zerbrochen, aufgelöst, in Einzelteile verstreut. Ein Opfer von Mächtigen.

„Vor der Wende waren die Puppen für mich ein Symbol für die Sprachlosigkeit, das Wehrlose. Als die Mauer fiel, wollte ich das Motiv zunächst aufgeben. ‚Wir haben es geschafft, wir sind nicht wehrlos‘, dachte ich damals“, sagt Brüne. Doch es kam anders. Auch in der Freiheit werde der Mensch gesteuert, ist Brüne überzeugt. „Es sind bloß andere Mechanismen.“

Typisches Beispiel: „Der Vorstand“ – eine hintersinnige, entlarvende Spitze gegen das Management, entstanden während der turbulenten Finanzkrise 2007. „Die Masken sollen das wahre Gesicht verdecken, aber in Wirklichkeit verraten sie mehr über den Träger als diesem lieb ist“, erklärt Brüne.

Ebenso packend: „Die Überfahrt“: Achtlos in eine Kiste geworfen, stehen die Puppen für den Strom von Menschen, die in überladenen Booten übers Mittelmeer flüchten.
Durchatmen erlaubt? Ja. Gudrun Brüne malte auch immer wieder ihre Havelländische Heimat: Alleen, Seen, weite Landschaften, die nicht aufwühlen, sondern beruhigen. Auch diese Bilder sind in der Ausstellung zu sehen. Alle Infos zur Ausstellung und den Öffnungszeiten der Ausstellungsorte unter www.stiftung-prüsse.de.
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