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Schaufenster und Gedächtnis der Region

Dr. Heike Pöppelmann hat viele Ideen, um das Landesmuseum für die Besucher anziehend zu machen – Ein Ausblick auf das neue Museumsjahr.

Von Martina Jurk, 02 01 11

Braunschweig. Ein Vierteljahr ist die neue Direktorin Dr. Heike Pöppelmann im Amt. Sie sprüht vor Ideen, das Landesmuseum zu entstauben, dem Haus die Bedeutung zukommen zu lassen, die es verdient.

„Ich bin noch immer auf Entdeckungstour“, sagt die Expertin für Ur- und Frühgeschichte, Geologie, Ethnologie und Mittelalterliche Geschichte. Das alles studierte die aus dem Sauerland stammende 45-Jährige in Köln und Bonn. Jetzt erkundet sie Braunschweig und das Landesmuseum. Nach kurzer Zeit ist ihr klar: Es muss etwas getan werden, um mehr Besucher anzuziehen. „20 000 im vergangenen Jahr, das ist unbefriedigend.“ Ihre Vorstellungen sind ganz konkret, vieles ist bereits in Angriff genommen.
Das Landesmuseum hat drei Standorte: das Vieweghaus am Burgplatz, das Ausstellungszentrum Hinter Aegidien und das Museum für Ur- und Frühgeschichte Wolfenbüttel. „Keines dieser Gebäude wurde ursprünglich als Museum gebaut. Das stellt eine große Herausforderung an moderne Museumsgestaltung dar“, meint die Direktorin. Vordringliche Aufgaben seien deshalb ein neuer, moderner Museumsservice, die Neugestaltung des Shopbereichs, attraktivere Räume für die Museumspädagogik mit neuem Farbkonzept. Auch das Veranstaltungsprogramm wird überarbeitet. Bereits jetzt im Januar heißt es in der Reihe Museum in Aktion „Geschichte querbeet – von Heinrich bis Hedwig“. Dazu findet am 30. Januar der erste Familiennachmittag im Vieweghaus statt. Ein „Museum zum Anfassen“ ist das Ziel der neuen Direktorin. Dr. Heike Pöppelmann will vor allem die Architektur der Gebäude wieder zum Vorschein bringen. Das Vieweghaus wurde einst als Verlagsgebäude konzipiert und gebaut, war auch Stadtpalais. „Die Gebäude sollen die Geschichte sprechen lassen“, stellt sich die Direktorin vor. Auch der Ausstellungskomplex Hinter Aegidien sei ein architektonisches Ensemble, das mehr Aufmerksamkeit verdiene. Das Thema Zeitmessung im Mittelalter soll dorthin mehr Besucher locken.
2011 sind zwei Sonderausstellungen geplant. Mit großen Ausstellungsprojekten hat Heike Pöppelmann Erfahrung. Allein in den vergangenen zehn Jahren leitete sie vier Landesausstellungen in Sachsen-Anhalt. „Dabei lernt man von der Pike auf“, meint sie. „Das macht mir Spaß. Und das jetzt auch in Braunschweig verwirklichen zu können, ist ein Traum“, schwärmt sie.
Die Sonderausstellung „Luxus in Scherben“ vom 3. April bis 3. Juli präsentiert Porzellanfunde aus archäologischen Grabungen und erzählt die Geschichte des „weißen Goldes“. „Porzellan aus Grabungen zu zeigen, ist deshalb so interessant, weil Alltagsgeschirr im Gegensatz zu repräsentativem Porzellan nicht erhalten geblieben ist. Es wurde weggeworfen“, erklärt Pöppelmann.
„Geschichte auf den Punkt gebracht“ heißt es ab 11. Oktober. Denn an diesem Tag im Jahre 1891 – also vor 120 Jahren – wurde das Braunschweigische Landesmuseum, damals unter dem Namen „Vaterländisches Museum für Braunschweigische Landesgeschichte“ gegründet. „Wir feiern das Jubiläum mit aussagekräftigen Stücken aus den verschiedenen Epochen von 300 000 Jahren Landesgeschichte.
„Großes und Kleines wird nebeneinander präsentiert“, sagt Pöppelmann und hat ein Beispiel parat: Herzog Carl Wilhelm Ferdinand wurde mit einem Kopfschuss nach Braunschweig gebracht. Gezeigt werde das Porträt des Herzogs, aber auch die Kugel, die ihn getroffen hat. „Ein Museum sentimental“, verspricht die Direktorin. Wie die Kugel aus dem Kopf des Herzogs entfernt wurde, auch das würden die Besucher erfahren. Zu sehen sein werden unter anderem das Puppenspielzeug von Victoria Luise aus purem Silber und Exponate aus Schöningen. Ob auch die Speere dabei sind, weiß Heike Pöppelmann noch nicht, aber sie hofft es. Insgesamt 120 Exponate würden zeigen, wofür das Landesmuseum steht. „Es ist Schaufenster und Gedächtnis der Region“, betont Pöppelmann. Im Rahmen des Jubiläums werde auch das neue Corporate Design des Museums präsentiert.
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