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Sachkundeunterricht im Theater

Die Bienen erzählen vom Leben in der Stadt. Foto: Unitedoffproductions. Foto: Unitedoffproductions/oh

Im Bienenstück „Cosmic Love“ von Unitedoffproductions dominiert aufgesagtes Faktenwissen.

Von André Pause, 16.01.2016.

Braunschweig. Wenn ein Theaterstück nicht verfängt, so gar nicht in den Zuschauerkopf möchte, gibt es in der Regel zwei Erklärungen. Der Regisseur wird in Anlehnung an den Song der Band Tocotronic gerne behaupten wollen: Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit. Vielleicht, nur vielleicht aber passt in der Liturgie des Abends auch einfach nicht so furchtbar viel zusammen.

Die Theatergruppe Unitedoffproductions hat für ihr Bienenstück „Cosmic Love“, das am Donnerstagabend im LOT-Theater Premiere feierte, viel recherchiert. Ansprechpartner waren unter anderem Professor Burkhard Schricker vom Institut für Zoologie und Dr. Benedikt Polaczek, Tierwirt-Ausbilder Fachrichtung Bienenhaltung, beide von der Freien Universität Berlin, sowie Michael Grolm von der Schlossimkerei Tonndorf. Experten also, die einen sehr großen Teil ihres Lebens der Biene widmen. Ein Problem der Produktion ist nun, dass anscheinend möglichst viel dieser via Interview generierten Expertise in 70 Minuten gepumpt werden soll. Der Prolog und einzelne Monologe haben den Charakter von frontalem Sachkundeunterricht für Erwachsene. Dass die Faktenhuberei hier und da pädagogisch-kulleräugig von im Geiste erhobenen Zeigefingern und Griffen ans Gewissen begleitet wird, macht die Sache nicht besser.

„40 000 Mal müssen die Bienen für ein Glas Honig raus“ erfährt der Besucher, zwei Bombastzahlen, die einem von der Bühne entgegengeschleudert werden, fliegen Warteschleife über dem Kopf, während die erste Zahl verarbeitet wird.
Es wird reichlich aufgesagt, erzählt und vorgelesen in dieser Performance. Gespielt dagegen wenig bis gar nicht. Dieses Faktenbombardement macht müde und unwillig, den durchaus vorhandenen Links in die Bienenhistorie oder den Alltag der Bienen im Stadtraum zu folgen. Da hilft auch kein flotter Rap über das Pflanzengift Glyphosat.

Der Applaus des Premierenpublikums im etwa halb ausverkauften Theaterhaus ist nichtsdestotrotz freundlich.

Weitere Vorstellungen finden am heutigen Samstag sowie am 21., 22., und 23. Januar jeweils um 20 Uhr im LOT-Theater statt. Infos unter www.lot-theater.de
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