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Rustikal durch den Märchenwald

Louie Bottmer singt nicht nur großartig, er sorgt als böser Wolf auch für einige der unterhaltsamsten Szenen bei „Hänsel, Gretel, Frosch & Wolf“. Foto: Rüdiger Knuth/oh

„Hänsel, Gretel, Frosch & Wolf“ begeistert die Besucher zum Auftakt des Wintertheaters.

Von André Pause, 26.11.2016.

Braunschweig. Beinahe psychedelisch ging es zu: im Spiegelzelt an der Martinikirche, zum Auftakt der mittlerweile sechsten Wintertheater-Saison.

Für die haben die Autoren Christian Eitner und Peter Schanz mit „Hänsel, Gretel, Frosch & Wolf“ eine neue Produktion ausbaldowert. Und, weil der Liederabend, der nach drei erfolgreichen Jahren „Die Weihnachtsfeier“ ablöst, einen ganzen Strauß an Märchen-Versatzstücken beinhaltet, klingelt zum Einstieg passenderweise gleich mal ein zigfach gelooptes „Es war ein Mal“ in den Ohren der Besucher.
Nach diesem schwindeligmachenden Intro braucht der Abend ein wenig, bis er vollends auf Touren kommt, dann aber gibt es im ausverkauften Zelt auch kein Halten mehr. Die Grimm-Stoffe hat das Autoren-Duo geschickt miteinander verzahnt, und dabei eigenen Interpretationen und Ideen durchaus großzügig Platz eingeräumt. Das ist bisweilen rustikal, läuft erfreulicherweise jedoch nicht aus dem Ruder.

Alle Darsteller des Kernensembles singen und spielen in Mehrfachrollen: So ist Neuentdeckung Maike Jacobs als Gretel und Prinzessin in den verschiedensten Erscheinungsformen zu erleben, Markus Schultze unter anderem als Hänsel, Grüner Jäger und durchaus von sich eingenommener Prinz aller möglichen Prinzessinnen, Kathrin Reinhardt als Frau Holle und überaus eitle Stiefmutter, Ronald Schober als Hans im Glück, vor allem aber als philosophisch begabter Froschkönig sowie Louie Bottmer als Magier, Hexe und böser Wolf.

Letzterer bestreitet als solitäres Rudeltier im Oma-Look gemeinsam mit Rotkäppchen Jacobs die wohl abgefahrenste Szene des Abends. Statt Fressen und Gefressenwerden wird gesexelt, bis die Kiste wackelt. Das von Rotkäppchen aufreizend geträllerte „Deine blauen Augen (machen mich so sentimental)“ von Ideal kontert der Wolf im Anschluss an den nicht unbedingt erwartbaren Liebesakt rau und finster mit Nazareths „Love Hurts“. Trockener geht‘s nicht!
Für launige Einsprengsel des von Andy Lindner percussionistisch und Burkhard Bauche pianistisch begleiteten Abends sorgt Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht aus dem Off in feinster Pfälzer Mundart als omnikompetenter Herr Kieferspecht.

Mit dem gesungenen Appell, bei aller Schenkerei die wahren Werte nicht aus den Augen zu verlieren, endet die Reise durch den „musikalischen Märchenwald“. Die Zuschauer feiern die Premiere zurecht mit stehenden Ovationen.
Alle Infos und Termine unter www.wintertheater.de.
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