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Ruinen erzählen Stadtgeschichte

Neue Exponate im Altstadtrathaus zeigen ganz unterschiedliche Gesichter Braunschweigs

Von Marion Korth, 27.12.2009

Braunschweig. Das Städtische Museum am Löwenwall wird derzeit umgebaut. Aber wer in Braunschweigs Stadtgeschichte abtauchen möchte, ist dort ohnehin falsch, die wird nämlich im Altstadtrathaus präsentiert. Für einen Besuch gibt es zwei neue gute Gründe.

Der Verein der Freunde des Museums hat Weihnachten vorgezogen und schon jetzt seine Geschenke gemacht: zwei großformatige Stadtansichten, die die Dauerausstellung erweitern.
Es geht um zwei Stadtansichten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Da ist zum einen Braunschweigs Trümmerplan in mehr als metergroßer Vergrößerung, der zeigt, was von der Stadt nach dem Krieg noch übrig war. Und da ist zum anderen eine Luftbildaufnahme aus dem Sommer dieses Jahres. Aufgenommen von Heimatpfleger Dieter Heitefuß an einem sonnigen Junitag. Das Foto zeigt die Stadt genau aus der Perspektive von Süden her wie das historische Stadtmodell und lässt damit einen genauen Vergleich zu. Die alte Luftbildaufnahme der Stadt war 20 Jahre alt. „Die Stadt verändert sich so schnell“, sagt Wolfgang Sehrt, Vorsitzender des Freundeskreises des Städtischen Museums. Und das gilt auch für den Trümmerplan. „Es ist wichtig, auch nachfolgenden Generationen zu zeigen, was Krieg bedeutet“, meint er.
Dieser Trümmerplan, es gibt ihn auch in kleinerem Format zum Falten, hat seinen Platz in der Ausstellung über Braunschweigs Nachkriegszeit erhalten. Seine Entstehungsgeschichte ist so anrührend und beeindruckend wie das, was er zeigt. Gezeichnet wurde er von Hermann Bollmann. Der kam erst 1947 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. „Schwer krank und auf 42 Kilo abgemagert“, erzählt sein Enkel Sven Bollmann, der den Bildkartenverlag bis heute fortführt. Der Anblick der zerstörten Stadt muss den Kriegsheimkehrer erschüttert haben. „Er wollte das der Nachwelt erhalten, das war die Idee“, sagt der Enkel.
Hermann Bollmann, gelernter Gebrauchsgrafiker, machte sich an die Arbeit. Straßenzug für Straßenzug skizzierte er. Jedes Haus dreidimensional, genau bis zur letzten Fenstergaube, jeden Baum der noch stand, jeden Mauerrest. Selbst im Schneetreiben soll er draußen mit seinem Zeichenblock gesessen haben.
Seine Skizzen lieferten die Vorlage für den kolorierten Bollmann-Trümmerplan, der bereits 1949 veröffentlicht und seither an die 200 000 Mal verkauft worden ist. Für die Großansicht im Museum im Altstadtrathaus ist er aufwändig digitalisiert und gedruckt worden. Geschichtsfans können den Plan übrigens auch als Druck auf Büttenpapier erwerben.

Info: Städtisches Museum im Altstadtrathaus: Die Dauerausstellung zeigt Braunschweigs Stadtgeschichte vom 9. Jahrhundert bis in die Gegenwart
• Öffnungszeiten täglich außer montags von 10 bis 13 und von 14 bis 17 Uhr
• Eintritt frei
• Führungen: Anmeldung unter 470 45 51
• Regelmäßig Vorführung alter Dokumentarfilme
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