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Rotzfrech und zuckersüß: Eine ziemlich beste Freundin

Süß, frech, witzig: Ina Müller präsentierte sich in Bestform in der VW-Halle. (Foto: Philipp Ziebart)
Braunschweig: Volkswagenhalle |

"Ihr seid direkt fehlerhaft in Produktion gegangen", erklärt Ina Müller den zahlreichen Männern im Publikum bei ihrem Konzert in der ausverkauften Volkswagenhalle den kleinen Chromosomenunfall der Evolution.

Von Ingeborg Obi-Preuß, Braunschweig, 28. Januar 2017. "Ihr sterbt aus", fügt sie an und haucht ein "das wollte ich nicht" ins Mikrofon. Ein mitleidsvoller Augenaufschlag - und dann dieses breite Grinsen. Rotzfrech und respektlos wie immer heizt die 51Jährige durch ihr aktuelles Programm "Ich bin die".
Längst ist die norddeutsche Kultblondine eine Marke - die Jahre des Tingelns hat sie weit hinter sich gelassen, die Nische "Singen und Sabbeln" ist viel zu klein, die ausverkauften Hallen auf ihrer Tournee sind überzeugender Beweis.
Ihre legendäre Kodderschnauze setzt sie gezielt ein, sie weiß, wo es weh tut und genießt das - mitunter lacht sie sich regelrecht scheckig. Mit dieser ganz besonderen Lache, dieser ganz besonderen Stimme: leicht rau, tief, erotisch.
So wie die ganze Frau. Sie kann sich viel erlauben, denn sie beherrscht die unwiderstehliche Kombination aus Provokation und Süßholzraspeln. Die echt derben Witze (meist zu Lasten der Männer) werden mit tiefem Blick in die Kamera und enormer Charmeoffensive serviert. Dazu sieht sie sensationell aus, Wahnsinns-Hacken, auf denen sie lässig auch mal quer durch den Saal stackst, ein sportlicher Dress mit Glitzer, in dem sie ihren Knackarsch gekonnt in Pose schwingt. Dazu dieses sehr, sehr schöne Gesicht. Welcher Mann sollte da etwas übel nehmen können?
Na, und die Frauen hat sie eh alle im Sack. Sie ist Mutmacherin, eine die weiß, was Frauen wünschen. Oder eben nicht.
Aus dem vermeintlich verstimmten Flügel fischt sie Requisiten, die David Garrett bei seinem Konzert dort vergessen haben soll: ein paar Fetischklamotten und eine fette Peitsche. Die kommt Ina Müller gerade recht. Sie regt sich auf, kommt in Rage. Sie knallt mit der Peitsche und beschwert sich lautstark über "Quetschwäsche" und Umkleidekabinen, über Bindenwerbung zur besten Sendezeit, über sinnlose Sicherheitsanweisungen im Flugzeug ("ich will auf dem Flug von Hamburg nach München keine Schwimmweste, ich will einen Fallschirm").
Das Publikum lacht Tränen. Auch wenn die von ihr beschworene Schicksalsgemeinschaft mit den "normalen" Frauen und ihren speziellen Problemen manchmal etwas zu dick aufgetragen ist - wo bitteschön hat Ina Müller Fettzellen? Wo ist sie dick? Wo sollte die Cellulite sein? Aber egal, sie kommt sehr nah, sehr warmherzig, sehr echt. Eine ziemlich beste Freundin. Die auch noch singt.
Die Lieder an diesem Abend sind eine Mischung aus dem Besten ihrer alten Stücke mit dem Schwerpunkt auf dem mit einem Echo augezeichneten Album "48" und neuem Material von der aktuellen CD.
Am Ende steht das Publikum, es gibt Zugaben. Und nach gut zweieinhalb Stunden ein herzliches "das wars."
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