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Roms vergessener Feldzug

Originalfundstücke vom Schlachtfeld am Harzhorn erstmals in Landesausstellung zu sehen

. Von Martina Jurk, 03.10.2012

Braunschweig. Zehntausende Römer und Germanen lieferten sich vor 1800 Jahren eine erbitterte Schlacht am Harzhorn vor den Toren Braunschweigs. Was 2008 auf dem ehemaligen Kampfplatz gefunden wurde, zeigt erstmals die Landesausstellung „Roms vergessener Feldzug“ ab 1. September 2013.

Dass es noch im Jahre 235 nach Christus zu kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Römern und Germanen kam, war bis dato kaum bekannt. Die Römer, die von einer Schlacht im Norden Europas auf dem Rückzug waren, wurden von Germanen an einer Anhöhe im Harzvorland in einen Hinterhalt gelockt. Zufällig wurde 1800 Jahre später im Landkreis Northeim eine Hipposandale, ein Hufschutz für Maultiere, gefunden, die eine eindeutige Identifizierung ermöglichte. Danach ist das Fundgelände mit Metalldetektoren abgesucht worden. 2500 Fundstücke wurden geborgen. „Es ist das einzige archäologisch nachvollziehbare Kampfgeschehen der Antike, eine einzigartige Möglichkeit, die römisch-germanische Schlacht nachempfinden zu können“, sagt Dr. Heike Pöppelmann, Direktorin des Braunschweigischen Landesmuseums, wo die Ausstellung präsentiert wird.
Archäologe Dr. Michael Geschwinde ist fasziniert, wenn er einige der bemerkenswerten Fundstücke aufzählt: völlig intakte Angriffswaffen der römischen Legionäre, Helme und Beinschienen, Speere, Lanzen, Münzen, eines der größten bislang gefundenen Ensembles römischer Speerspitzen. „Der Nachweis komplexer Angriffsbewegungen ist das Bedeutende der Funde“, so Geschwende.
Wissenschaftler und Forscher erwarten die Landesausstellung mit Spannung. 60 Leihgeber aus acht europäischen Ländern wurden angefragt, die die Originalfunde ergänzen sollen, unter anderem das Kapitolinische Museum in Rom, das eine zeitgenössische Büste des ersten Soldatenkaisers Maximinus Thrax in ihrem Besitz hat. Maximinus Thrax gilt als Urheber des Kampfgeschehens am Harzhorn.
Die Geschichte der Römer und Germanen müsse neu geschrieben werden, wagt Heike Pöppelmann einen mutigen Vorstoß. Vor allem das Germanenbild müsse zurechtgerückt werden. Die Funde würden belegen, dass die Germanen keineswegs planlos in die Schlacht gezogen waren, sondern „dass es sich um Krieg und Gewalt zwischen zwei hochgerüsteten Armeen handelte“.
Für die Besucher soll die Ausstellung zum Erlebnis werden. Dafür wird ein ganzes Paket geschnürt, das aus Inszenierung, Erzählung und Erfahren besteht. In Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entsteht ein dreidimensionales Modell des Geländes, auf dem via Projektoren das Schlachtgeschehen zum Leben erweckt wird. Die Besucher können dabei in verschiedene Rollen schlüpfen.
Die Ausstellung wird flankiert von der Präsentation „Wildes Germanien“ im Naturhistorischen Museum, die Natur und Tierwelt Norddeutschlands in dieser Zeit rekonstruiert. Das Herzog-Anton-Ulrich-Museum zeigt begleitend in der Burg Dankwarderode „Römer und Germanen beim Schachspiel“. Am Schlachtfeld am Harzhorn werden für Besucher ein Infopfad und ein Infozentrum eingerichtet.
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