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Rasenmähen und Heckenschneiden statt Training

Hans Jürgen Bäumler lernt Text für „Zwiebeln und Butterplätzchen“. Foto: André Pause

Hans Jürgen Bäumler steht für die Produktion „Zwiebeln und Butterplätzchen“ rund einen Monat in der Komödie am Altstadtmarkt auf der Bühne.

Braunschweig, 25.09.2014. Ab dem kommenden Donnerstag ist der fernsehbekannte Moderator und Schauspieler Hans Jürgen Bäumler im Stück „Zwiebeln und Butterplätzchen“ zu sehen. nB-Mitarbeiter André Pause hat sich mit dem früheren Eiskunstlaufstar vorab unterhalten.

? Herr Bäumler, das Theater berichtete mir, Sie seien gestern „direkt aus Kopenhagen“ gekommen. Was haben Sie denn in Kopenhagen gemacht?

! Komischerweise gibt es von Nizza, meinem Heimatflughafen – ich wohne in Le Rouret, das ist 20 Minuten entfernt – keine direkte Verbindung nach Hannover. Dann musste ich von Nizza über Kopenhagen nach Hannover. Ich fliege dann praktisch vorbei und dann wieder zurück. Aber ich war auf die Minute pünktlich, während unser Regisseur mit der Bahn fuhr und mehr als eine Stunde Verspätung hatte.

? Wann und warum hat es Sie denn nach Frankreich verschlagen?

! Wir sind jetzt seit fast genau 30 Jahren da. Aber ich arbeite ja in Deutschland. Wenn man ein Vierteljahrhundert auf dem Eis verbringt, hat man hinterher wohl die Vorstellung: Palmen sollen es sein. Zudem war das damals die Zeit unserer Hochkonjunktur. Wir (Bäumler und Eislaufpartnerin Marika Kilius holten bei zwei Olympischen Spielen Silber und gewannen zahlreiche Goldmedaillen bei Welt- und Europameisterschaften) standen in sämtlichen Zeitschriften und konnten irgendwie gar nichts mehr machen. Nicht, dass ich mich beschweren möchte, denn ich lebe ja von den Leuten, die mich erkennen und jetzt in die Vorstellung kommen. Aber Frankreich ist ein bisschen anders.

? Inwiefern?

! Es gibt die Statussymbole nicht, Neid und Missgunst sind nicht so ausgeprägt. Man lebt dort einfach mehr. Es fing an mit Holiday on Ice, was wir dort einen Monat einstudiert haben. Dann habe ich mir eine Wohnung gekauft, in der Zwischenzeit ist es ein Haus geworden, meine Kinder waren gerne da, haben ihr französisches Abitur gemacht. Ich habe auch festgestellt, dass Freunde einen noch viel lieber an der Côte d’Azur besuchen als in München.

? Sehen Sie Ihr Zuhause denn überhaupt, wenn Sie so oft beruflich unterwegs sind?

! Ich habe schon acht Monate am Stück gespielt. Jetzt ist es mir zum ersten Mal gelungen, dass ich die fünf schönsten Monate des Jahres, von Februar bis jetzt, zu Hause war. Sonst gab es immer Unterbrechungen. Ich habe mir auch vorgenommen, nicht mehr ganz so viel zu machen. Nur noch Sachen, die wirklich Spaß machen, wie hier bei Florian (Battermann), den ich seit seinen Anfängen hier kenne, und vor dem ich schon ein paarmal meinen Hut gezogen habe.

? Nach welchen Kriterien entscheiden Sie denn im Endeffekt, ob Sie eine Rolle annehemen oder nicht?

! „Zwiebeln und Butterplätzchen“ macht mir jetzt Spaß, weil ich etwas völlig anderes spielen muss, als dass, was ich bin. Und das Stück macht einfach gute Laune. Bis jetzt hat es den Leuten gefallen. In Bonn war es ein Riesenerfolg, und ich hoffe, dass das hier wiederholbar ist.

? Nimmt das Publikum Sie heute eher als Schauspieler wahr oder überwiegt die Erinnerung an den erfolgreichen Eisläufer?

! Die Leute kommen und fragen oft: Herr Bäumler, was machen Sie denn hier. Dann sage ich: Ich spiele hier Theater. Dann wird gefragt: Jeden Abend? Ich sage: Ja. Und meist kommt dann die Frage: Und was machen Sie hauptberuflich? Die Leute glauben, wir kriegen unser Geld für die zwei Stunden am Abend, in denen wir sie unterhalten. Das ist aber nur der schöne Teil unserer Arbeit. Wir leben in einer fremden Stadt, in einer Wohnung, die wir vorher noch nie gesehen haben, und wir müssen so leben, dass wir jeden Abend volle Pulle für unser Publikum da sein können. Wir dürfen nicht krank, nicht heiser werden, wir dürfen nicht essen, wann wir wollen ... Der ganze Tag ist nur auf die zwei Stunden am Abend ausgerichtet.

? Das erfordert ja auch eine gewisse Fitness. Sie sind jetzt 72 und wirken sehr vital. Was tun Sie dafür?

! Viel zu wenig eigentlich. Wenn man Spitzensportler war, müsste man auch abtrainieren. Das habe ich alles nicht gemacht. Ich habe ein Riesengrundstück, und in der Zeit, in der ich jetzt zu Hause war, war ich jeden Tag draußen: Rasenmähen, Olivenbäume und Hecken schneiden. Im Süden wächst ja alles acht Monate lang. Da sind Sie unten fertig, da müssen Sie oben schon wieder anfangen. Das macht mir sehr viel Freude. Ich kann mir nicht mehr vorstellen eine Stunde ins Fitnessstudio zu gehen, um auf den nicht ganz frisch riechenden Matten Gewichte zu heben. Außerdem möchte ich, wenn ich etwas mache, auch ein Ergebnis sehen. Wahrscheinlich kommt das Denken noch aus meiner Sportlerzeit: Wenn ich täglich vier Stunden trainiere, möchte ich irgendwann auch Weltmeister werden. Man muss ein Ziel haben.

? Sie haben viele Begabungen. Hätten Sie Lust noch einmal etwas völlig anderes auszuprobieren?

! Ein Buch schreibe ich sicherlich nicht, auch keine Memoiren. Man sieht ja bei Boris Becker, wo das hinführt. Die Leute glauben, dass durch diese Popularität – die so wohl nie wieder erreichbar ist für einen Sportler, wenn wir damals liefen, fiel die Tagesschau aus – in Film und Fernsehen automatisch dazukommt. Da korrigiere ich immer. Die Tatsache, dass mich Presse und Publikum zum Eisprinzen gemacht haben, hat mir in der weiteren Karriere auch unheimlich geschadet. Es war auch deshalb nicht so einfach zu schaffen, dass die Leute die unten sitzen mir nach vielen Jahren endlich die Rolle glauben, die ich oben spiele.

? Wie ging denn der Wechsel vom Eiskunstlauf zum Schauspiel, Schlagersänger waren Sie ja auch noch, vonstatten?

! Viele glauben, ich habe mit Eislaufen aufgehört und bin dann Schauspieler geworden. Das stimmt natürlich nicht. Die Eisrevuefilme wurden gemacht, weil wir Eisläufer waren, gut. Da wurde ich auch noch synchronisiert. Der erste Film, den ich nach meiner Sprachausbildung und zwei Jahren Arbeit bei Radio Luxemburg gespielt und selbst gesprochen habe, war dann „Der Ruf der Wälder“ zusammen mit Mario Girotti, der später Terence Hill wurde. Meine Managerin hat dann aber gesagt: Du musst Theater spielen, sonst wirst du als Schauspieler nie ernst genommen. Das habe ich dann gemacht. Ich habe 1964 zum ersten Mal mit Edith Hancke und Waltraud Haas in Heidelberg gespielt. „Ein Engel namens Schmidt“, so was vergisst man natürlich nicht. Seitdem spiele ich auch Theater, was viele nicht wissen, weil ich bis 1984 eisgelaufen bin. Aber eben nur in den größten Hallen. Unter 8000 Leuten wurden wir gar nicht eingesetzt. Im Anschluss an die Hauptsaison von Ende Oktober bis Februar waren dann fünf Monate frei, und ich habe mich um die Schauspielerei gekümmert, weil ich ein zweites Standbein haben wollte. Für einen normalen Beruf war ich schon zu alt, und ich wollte dann aus dieser Popularität etwas machen.

? Hätten Sie auch noch mal Spaß daran fürs Fernsehen zu arbeiten?

! Fernsehen ist ein Verschleißgeschäft, und sie sind auch viel abhängiger vom Regisseur. Außerdem bin ich ja vorher immer live vor Publikum aufgetreten. Und beim Theater kriegen Sie ein direktes Feedback. Wenn etwas nicht angekommen ist, bin ich schuld, sonst niemand. Das ist die härtere Arbeit, aber sie macht mir einfach mehr Spaß.
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