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Premiere im LOT: „Eigentlich wollte ich nach Finnland!“

„Eigentlich wollte ich nach Finnland!“– Szenenfoto aus der Premiere. (Foto: Foto: LOT)

Die Qualität des Andersseins erkennen – unitedOFFproductions-Premiere im LOT-Theater

Von André Pause, 19.01.2014

Braunschweig. Es ist ein Bild mit Symbolcharakter für den Status quo des Lebens im immer grenzenloser – ergo freizügiger – werdenden Europa: „Dancefloor“ im LOT-Theater.
Fünf junge Erwachsene tanzen zu schmissigen Rhythmen; auf den Dancefloor im LOT-Theater wirft ein Projektor die kreisförmig angeordneten zwölf Sterne der europäischen Flagge. Das Motiv verändert seine Form, weitet und verengt sich. Im Wechsel wird aus dem Zeichen der Öffnung eine sich erbarmungslos zuziehende Schlinge.
Das Ensemble von unitedOFFproductions untersucht mit seiner aktuellen Produktion „Eigentlich wollte ich nach Finnland!“ die Situation junger Leute, die ihr Glück – oder was auch immer – im Ausland, respektive in Deutschland suchen. Was treibt die Migranten um, wie stellt sich das Leben fern der Heimat für sie dar, was sind Vor- und Nachteile?
Antworten aus insgesamt 17 Interviews flossen in die Form des Monologes für fünf Schauspieler. Im Stück werden die Schilderungen der Erlebnisse und Empfindungen temporeich vorgetragen, die im Kopf erzeugten Bilder wie ein Skatblatt gemischt. Dabei offenbaren die von Athena Tsantekidou, Lidia Cangiano, Mirca Preißler, Alexandru Cirneala und Eneko Sanz vorgetragenen Geschichten im Grunde nichts fundamental Neues. Dennoch bringen die launigen individuellen Rückblicke und Ausblicke eine Sache auf den Punkt: Das Zusammentreffen und Zusammengehen kultureller Identitäten ist mitunter schwierig.
Höheren Wallungswert als geäußerte biografiebezogene, persönliche Erkenntnisse wie „Wenn mir früher jemand gesagt hätte, dass ich irgendwann beim Sex deutsch sprechen würde, hätte ich gedacht, das ist unmöglich, das geht gar nicht“, besitzen in der Konsequenz die Beobachtungen der politischen Rahmenbedingungen. Die verdeutlichen nämlich, dass das europäische Haus, an dem wir alle bauen, noch sehr viel unfertiger und fragiler ist als lange Zeit angenommen. Im Stück stapeln sich die Teile des Gebäudes auf der hinteren Bühne. Es könnten Trümmer sein, ein Bild für fehlende oder verfehlte Integrationspolitik oder die Schattenseiten der globalisierten Welt. Deren Folgen spürt der einzelne Bürger, und auf der Bühne wird geahnt: Möchte man die Krise als Dauerzustand verhindern, muss das Anderssein zur Qualität werden. Denn, Alexandru Cirneala bringt die komplizierte Sache auf einen einfachen Nenner: „Dass man überall holländische Plastiktomaten essen muss, ist doch kein Vorteil.“ Langer, freundlicher Beifall zur Premiere. Weitere Aufführungen am heutigen Sonntag um 17 Uhr, sowie am 23., 24. und 25. Januar jeweils um 20 Uhr.
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